Starke Druckguss-Messe für den asiatischen Raum

Nachschau auf die China Diecasting 2018 vom 18. bis 20. Juli 2018 in Shanghai

Rund 380 Aussteller präsentierten sich auf der diesjährigen China Diecasting in Shanghai. Das waren noch einmal knapp 20 Prozent mehr als vor einem Jahr und macht deutlich, welche Bedeutung einer internationalen Fachmesse für den Druckguss in China seitens der Herstellern beigemessen wird.

Die Messe richtet sich vor allem an den chinesischen Markt – der immerhin als größter Druckgussmarkt der Welt gilt. Das zeigte sich auch darin, dass ein Großteil der Aussteller aus China stammte. Allerdings war auch eine Reihe von ausländischen Firmen vertreten, darunter namhafte Hersteller aus Europa, wie Bühler, Frech, Böhmer Maschinenbau und StrikoWestofen. Diese Firmen haben auch eigene Tochtergesellschaften in China, so dass die Teilnahme an der China Diecasting schon fast selbstverständlich ist.

Bedeutung der China Diecasting wächst
Auch aus der Sicht von Peter Reuther, Senior Vice President CPI Thermal bei StrikoWestofen, hat die Bedeutung der China Diecasting in den letzten Jahren zugenommen. Das sähe man an der wachsenden Zahl der Aussteller und der zunehmenden Vielfalt der ausgestellten Produkte. StrikoWestofen präsentierte auf seinem Messestand die Technik seiner Schmelzöfen und das neue System „Schnorkle“ für den innerbetrieblichen Metalltransfer. Peter Reuther: „Die China Diecasting ist für uns die wichtigste Diecast-Messe innerhalb des asiatischen Marktes. Hier können wir in kurzer Zeit einen Großteil unserer Kunden erreichen, um unsere Innovationen vorzustellen. Für mich ist die China Diecasting vergleichbar mit der Euroguss-Messe in Deutschland.“

Der chinesische Markt ist auch für Peter Reuther einer der größten Wachstumsmärkte der Welt. Vor rund zehn Jahren begann StrikoWestofen mit einem kleinen Verkaufsteam in China Fuß zu fassen. Mittlerweile verfügt das Unternehmen über eine eigene Produktion in China. Das werde auch von den chinesischen Kunden so erwartet. Es reiche nicht, einfach nur Maschinen und Anlagen nach China zu exportieren, so Peter Reuther, sondern es sei wichtig, die Experten auch vor Ort zu haben. Und von China aus können auch die Märkte in Malaysia, Vietnam oder Japan bedient werden.

Ähnlich sieht das Andreas Müller, CEO des schweizerischen Unternehmens DGS, das verschiedenste Druckguss-Produkte für die Automobilindustrie nach China liefert. „Die China Diecasting ist stark Automobil-orientiert. Wir produzieren schon seit 2007 in China und sind 2013 in den Strukturguss eingestiegen – das ist eigentlich die Leichtbauentwicklung, die mehr und mehr in die mittleren Fahrzeugsegmente vorgedrungen ist. Wir waren einer der ersten Druckgusslieferanten in China und liefern jetzt Bauteile für die Mercedes-C-Klasse und den Audi A5.“ In der Zukunft wird der chinesische Markt aus Sicht von Andreas Müller die größten Wachstumschancen bieten - bei derzeit etwa 20 Millionen verkauften Fahrzeugen pro Jahr ist das keine Überraschung.

Für die Aussteller ist die Messe auch wichtig, um zusätzliche Informationen zu erhalten, wohin der Trend in der Branche geht. Dass die Automobilbranche allmählich von den rein benzin- bzw. dieselangetriebenen Motoren Abschied nimmt und die Entwicklung in Richtung Hybrid- und Elektroantriebe geht, war auf der China Diecasting natürlich keine Neuheit. Entsprechende Anwendungen waren bereits zu sehen – auch wenn sie bei den Ausstellungsständen zurückhaltend präsentiert wurden. 

Letztlich ist die Frage, wann der Markt für die alternativen Antriebe wirklich anzieht. Bislang sind die Stückzahlen noch klein, aber wenn die Elektromobilität einmal zum Massenmarkt wird, will kein Hersteller den Trend verpassen. Denn die Elektromobilität – und dabei auch das autonome Fahren – wird einen enormen Einfluss auf die Gießereibranche haben. 

Wachstumsmarkt bietet günstiges Umfeld für die Messe
Bereits vor einigen Jahren war absehbar, dass China technologisch und ökonomisch zum „großen Sprung“ ansetzt. Entsprechend stellt sich das Umfeld dar, in dem die China Diecasting in diesem Jahr stattfand. Viele europäische Firmen, die ihre Produkte nach China liefern wollten, sahen sich in den letzten Jahren „genötigt“ nicht nur ihre Produkte nach China zu liefern, sondern dort auch zu produzieren – bis vor kurzer Zeit vor allem in Form von Joint Ventures. Diese von staatlicher Seite gewünschte Kooperation mit chinesischen Firmen hat China mittlerweile gelockert, so dass es für europäische Firmen nun attraktiver ist, sich mit eigenen Tochterunternehmen in China anzusiedeln. Ob man hier schon von einer liberaleren Einstellung der Wirtschaftsbeziehungen von China mit anderen Ländern sprechen kann, mag verfrüht sein. Sichtbar ist jedoch, dass die Volksrepublik China auf nachhaltiges Wachstum setzt. Vor allem technologisch will das Land aufholen. Dabei hilft es ausländische Investoren ins Land zu holen oder auch die Übernahme von hochspezialisierten europäischen Firmen, die Schlüsseltechnologien in den verschiedensten Bereichen anbieten.

Die NürnbergMesse hatte diese Entwicklung offenbar schon früh erkannt und ist seit 2013 Mitveranstalter der China Diecasting. Der Leiter der NürnbergMesse Christopher Boss sieht es als eine der Aufgaben der Messegesellschaft an, die Kontakte der Hersteller/Aussteller und ihrer Kunden zu intensivieren. Dabei unterstützt die NürnbergMesse gerade auch Firmen aus dem Ausland, um den chinesischen Markt kennenzulernen und sich auf der Messe zu präsentieren. Die Teilnahme an Gemeinschaftsständen bot auch dieses Jahr wieder eine kostengünstige Möglichkeit, auf der Messe präsent zu sein.

Dass es für kleine und große Unternehmen interessant sein kann, an der Messe teilzunehmen, liegt vor allem am Umfeld der China Diecasting. Im Großraum Shanghai sind sehr viele Zuliefererfirmen aus der Automobilindustrie ansässig, die wiederum Abnehmer der Druckgussindustrie sind. Aber auch viele andere Industriesparten produzieren in der Region, wobei freilich die Nähe zu den Metropolen im Süden, z.B. Hongkong, nützlich ist.

Darren Guo, Geschäftsführer der NürnbergMesse China, sieht aber noch andere Aspekte, die in der Zukunft eine Rolle spielen. „Die politische Agenda in China zielt auf Nachhaltigkeit in der Produktion und auf Umwelttechnologien ab. Und in der Metallverarbeitung ist der Druckguss ein sehr spezielles Feld. Um die Ziele wie die Nachhaltigkeit auch im Automobilbereich zu gewährleisten und voranzutreiben, sind die Produzenten im Bereich des Druckgusses auf Hochtechnologie und saubere Produktion getrimmt.“

Globales Netzwerk für den Druckguss und die Metallverarbeitung
„Die NürnbergMesse ist mit ihrem weltweiten Netzwerk im Bereich Druckguss in der Lage, zusätzliches Know-how in den chinesischen Markt zu bringen“, so Darren Guo. „Eines der Erfolgsrezepte in den letzten Jahren war, gemeinsam mit unseren Partnern den internationalen Austausch zwischen den weltweit führenden Druckgießereien und den Zulieferbetrieben und der chinesischen Industrie voranzubringen. Das werden wir weiter vorantreiben, und in der Zukunft wird die NürnbergMesse mit ihrem globalen Netzwerk von Veranstaltungen in den Bereichen Druckguss und Metallverarbeitung auf den Kernmärkten vertreten sein.“

Dazu zählen neben der Euroguss in Nürnberg und der Euroguss Mexico auch die Alucast in Indien. Und noch in diesem September geht die Euroguss Asia Pacific in Bangkok an den Start.

„Zur Zielgruppe unserer Aussteller gehört in erster Linie die Automobilindustrie,“ ergänzt Guo. „Hier spielen die Zukunftsthemen wie Leichtbau eine große Rolle, und wie mache ich die Technologie effizienter? Neben der Automobilindustrie gibt es aber weitere Schlüsselindustriesektoren. Das geht über die Elektronik, also z.B. Handys oder andere Elektronikbauteile, bis zur Medizintechnik und zur Luftfahrt.“  

Für all diese Sektoren möchte die NürnbergMesse interessante Informationen für ihre jeweiligen Zielgruppen bieten. Das ist am besten dadurch möglich, dass namhafte Hersteller für die Teilnahme an den Messen gewonnen werden. Allerdings kommt keine Messe heute ohne ein anspruchsvolles Rahmenprogramm aus. Dazu zählen zum Beispiel Vortragsveranstaltungen, die über die aktuellen Trends der Branche informieren.

Kurze Wege und ein umfangreiches Vortragsprogramm
Die China Diecasting 2018 war die bislang größte seit ihrem Bestehen. Die rund 380 Aussteller präsentierten sich in drei (klimatisierten) Hallen mit über 30.0000 m2 Ausstellungsfläche, die im Wesentlichen unterteilt waren in die Bereiche:

  • Automation, Prozesstechnik
  • Druckgussmaschinen, Prozesstechnik
  • Druckgussprodukte, Rahmenprogramm (Vorträge)

Überaus positiv war, dass die Firmen ihre Besucher auf den Ständen meist direkt ansprachen, sei es in Englisch oder Chinesisch. Die meisten Aussteller hatten Prospekte in englischer und chinesischer Sprache ausgelegt. Kleinere Hersteller allerdings oft nur in Chinesisch. Für manch ausländischen Besucher konnte die Sprache eine Barriere sein, um mit den Firmen in Kontakt zu kommen.

Die Vorträge im sehr umfangreichen Rahmenprogramm wurden in Englisch gehalten. Wesentliche Themen der 15- bis 20-minütigen Vorträge chinesischer und ausländischer Experten waren zum Beispiel die  Bedeutung und Anwendung der Digitalisierung in den Unternehmen sowie neue technische Lösungen für Gießereien. MAGMASOFT stellte seine neue Software 5.4 New Version vor, und StrikoWestofen sein Transportsystem Schnorkle, mit dem flüssiges Metall sicher innerhalb von Gießereien umgefüllt und transportiert werden kann.

Andreas Müller von DGS schilderte in seinem Vortrag die Bedeutung der Elektromobilität für die Automobilbranche und die Gießereibranche. Die klassische Automobilindustrie und ihre Zulieferer sehen sich in Zukunft mit vielen neuen „Mitspielern“ konforntiert, mit denen sie von nun an im Wettbewerb stehen. Junge Firmen mit innovativen Ideen gewinnen „plötzlich“ enorm an Bedeutung und machen den etablierten Herstellern ernsthafte Konkurrenz.

Neue „Werkzeuge“ wie Daten-Brillen oder Daten-Handschuhe, Virtual Reality und das Internet der Dinge oder die Kooperation von Mensch und Roboter werden die Produktion in den Fabriken grundlegend ändern.

Egon Neuwirth, CEO von N-CE Neuwirth Consulting & Engineering, beschrieb in seinem Vortrag Herausforderungen und Lösungen im Management von Unternehmen der Druckguss-Industrie. Nicht immer können die Firmen in Krisensituationen selbst die richtigen Lösungen für ihre Probleme erkennen und Veränderungen einführen. Eine externe Beratung „mit dem Blick von außen“ und speziellem Know-how sei nicht selten die bessere Lösung, um Probleme in den Unternehmen anzugehen.

Fazit
Die China Diecasting 2018 bot an knapp drei Tagen einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Technik in der Druckguss-Branche und damit verbundenen Technologien. Die gut besuchte Messe gab zudem einen Einblick in das Know-how der chinesischen Druckguss-Industrie. 

Auch wenn der Trend zur „E-Mobilität“ auf den Messeständen nicht deutlich sichtbar war  (anders als auf der diesjährigen Euroguss in Nürnberg), so war er doch Thema in vielen Gesprächen und Vorträgen. Auf der nächsten China Diecasting wird es sicher auch mehr „zu sehen“ geben.

Ihr 

Gerd Theißen