Mexiko - Drehkreuz der Automobilindustrie

 

Vom 24. bis 26. Oktober 2018 fand in Guadalajara zum ersten Mal die EUROGUSS Mexico statt. Mit der Automobilindustrie als größtem Abnehmer von Druckgussteilen ist die Gießereiindustrie hier besonders vom Wandel des globalen Mobilitätmarktes betroffen.

"Die Arbeitskraft war vorhanden und die Beschaffung von Rohmaterial möglich”, antwortet Jonathan Herrera von der Nissan Motor Corporation nüchtern auf die Frage, warum der japanische Automobilhersteller in Mexiko produziert. Hinter ihm stehen die polierten Ausstellungsfahrzeuge der in diesen Werkhallen entstandenen Modelle Sentra, Kicks, March/ Micra und Versa. 

Herrera ist jemand, dem man gerne zuhört. Er ist selbst Beispiel der erwähnten Arbeitskraft: gut ausgebildet und mit beruflichen Stationen in Deutschland und Frankreich. Zusätzlich lernt Nissan in eigenen Training Centers seine Fachkräfte für morgen an - mit japanischen Methoden für nordamerikanische Arbeiter. Niedrige Löhne gehören - noch immer - zu den propagierten Stärken des Landes. 

Produktion im Nissan-Werk in Aguascalientes / Quelle: Nissan

"Die Arbeitskraft war vorhanden und die Beschaffung von Rohmaterial möglich”, antwortet Jonathan Herrera von der Nissan Motor Corporation nüchtern auf die Frage, warum der japanische Automobilhersteller in Mexiko produziert. Hinter ihm stehen die polierten Ausstellungsfahrzeuge der in diesen Werkhallen entstandenen Modelle Sentra, Kicks, March/ Micra und Versa. 

Herrera ist jemand, dem man gerne zuhört. Er ist selbst Beispiel der erwähnten Arbeitskraft: gut ausgebildet und mit beruflichen Stationen in Deutschland und Frankreich. Zusätzlich lernt Nissan in eigenen Training Centers seine Fachkräfte für morgen an - mit japanischen Methoden für nordamerikanische Arbeiter. Niedrige Löhne gehören - noch immer - zu den propagierten Stärken des Landes. 

Automobilindustrie größter Abnehmer
In dem Werk in Aguascalientes führt Herrera seine Zuhörer durch die Hallen. Die Besucher sind Teilnehmer der EUROGUSS Mexico, die zum ersten Mal im Rahmen der Fundiexpo in Guadalajara organisiert wurde. Die Besichtigung des Nissan-Werks in dem rund 200 Kilometer nördlich gelegenen Aguascalientes soll beispielhaft sein, denn der mit Abstand größte Abnehmer von Druckgussteilen in Mexiko ist die Automobilindustrie. Das Marktforschungsunternehmen Mordor Intelligence spricht von einem Volumen von 1,8 Mrd. US-Dollar, auf das der mexikanische Markt für Kfz-Teile aus Druckguss bis 2020 wachsen soll. Für den Bereich Aluminiumdruckguss wird eine Wachstumsrate (CAGR) von acht Prozent erwartet. Führende Zulieferer von Leichtmetall-Druckgussteilen in Mexiko sind unter anderem Bocar, Castwel Autoparts, Die Casting Solutions, Dynacast, Endurance Group, Gibbs Die Casting Group, Nemak, Power-Cast Monterrey, Rockman Industries und Sandhar Technologies. 

Mit der Montage von Fahrzeugen in Mexiko begann Nissan 1966 mit der Produktion des Datsun Bluebird im CIVAC-Werk Morelos. Diese Produktionsstätte war die erste des Unternehmens, die außerhalb Japan errichtet wurde. Neben einem Werk in Cuernavaca und zwei in Aguascalientes betreibt die Nissan-Renault-Allianz in derselben Stadt ein Joint Venture mit Daimler. COMPAS (Cooperation Manufacturing Plant Aguascalientes) ist die neue 1-Milliarde-US-Dollar-Produktionsstätte, die mit der Produktion des Infiniti QX50 begonnen hat und in der auch die Mercedes-Benz-A-Klasse Sedan entstehen soll. Die Fahrzeuge werden hauptsächlich in Nordamerika vertrieben. 


BMW Gruppe in San Luis Potosi, Mexiko

Nissan in Aguascalientes, Mexiko



Während Automobilhersteller wie Mercedes-Benz (mit Nissan), BMW, Audi und Toyota neue Werke in Mexiko errichten, erweitern andere Hersteller wie General Motors, Fiat-Chrysler, Honda und Hyundai ihre bestehenden Fabriken. Mexiko, ein Land mit rund 123 Mio. Einwohnern und einer Fläche fast sechsmal so groß wie Deutschland, ist nach Brasilien die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas. Mexiko ist mit 3,46 Mio. Units der weltweit siebtgrößte Automobilproduzent und hinter Deutschland, Japan und Südkorea mit 2,76 Units der viertgrößte Automobilexporteur. Das Land verschafft günstigen Zugang zu Märkten im amerikanischen und pazifischen Raum, positive Stimmen sprechen von einem Drehkreuz für den weltweiten Export von Automobilen. 

Trotzdem: „Speziell Gießereien mit mehreren tausend Mitarbeitern sind im Wesentlichen in japanischer oder koreanischer Hand”, erklärt Franz-Josef Wöstmann des Fraunhofer IFAM. Es gäbe zwar große mexikanische Gießereien wie Nemak, die im Automobilbereich aktiv sind und weltweit zu den großen Akteuren gehören, aber es habe ihn verwundert, dass die anderen großen Gießereien im Wesentlichen aus Japan oder Korea kommen. „Das entspricht der Tatsache, dass speziell japanische und koreanische Automobilhersteller sehr stark mit ihren eigenen Zulieferern verbandelt sind und sie selber mitgenommen haben“, so Wöstmann. 


“Was in den USA passiert, verfolgen wir regelmäßig. Das ist wichtig für den mexikanischen Markt. Denn wo sind die Kunden der Mexikaner? Die sitzen natürlich in den USA."


Lisa Aulbach-Heinecke, Aulbach Automation GmbH abk Pressenbau


Die Teilnehmer der Fachmesse erhielten ausführliche Informationen zur mexikanischen Gießereibranche. / Quelle: NürnbergMesse

Große Nachfrage nach Gießereimaschinen
Der Gießereiverband Sociedad Mexicana de Fundidores (SMFAC) spricht währenddessen von rund 1600 Gießereien, von denen 70 Prozent in nationaler und 30 Prozent in internationaler Hand sind. Innerhalb des nordamerikanischen Wirtschaftsraumes sieht Ines Polak von Cemafon für Mexiko eine steigende Bedeutung: „Die europäischen Gießereimaschinen-Exporte nach Mexiko sind im Jahr 2017 um fast 25 Prozent gewachsen und lagen damit noch vor den japanischen Lieferungen. In Zukunft erwarten wir weiteres Wachstum durch Modernisierungen und den Ausbau von Produktionsstätten globaler OEMs und Gießereigruppen.” 

Als Konsequenz der Neuverhandlungen des Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) muss das Land seine Handelsaktivitäten aber stärker diversifizieren. “Was in den USA passiert, verfolgen wir regelmäßig. Das ist wichtig für den mexikanischen Markt. Denn wo sind die Kunden der Mexikaner? Die sitzen natürlich in den USA. Wenn es da wirklich Restriktionen gibt, wenn man nicht mehr oder nur mit hohen Zöllen liefern kann, dann wird das ein Problem”, so Lisa Aulbach-Heinecke, die mit ihrem Unternehmen Aulbach Automation GmbH abk Pressenbau den mexikanischen Markt beliefert. 

So wie ihr will die EUROGUSS Mexico auch anderen Unternehmen das Tor zum mexikanischen Wirtschaftsraum öffnen. Der eigene Pavillon auf der Fundiexpo, mit 245 Ausstellern und rund 6000 Fachbesuchern die größte Gießereimesse des Landes, versammelt 32 Aussteller aus neun Ländern entlang der gesamten Wertschöpfungskette Leichtmetallguss. Zum Programm der EUROGUSS Mexico gehört neben der Besichtigung in Aguascalientes auch eine durch die NürnbergMesse organisierte Konferenz, auf der Themen wie Werkzeugbau, Robotik, Industrie 4.0 und die mexikanische Gießereibranche diskutiert wurden. 


 

"Die Gießereibranche hat meiner Meinung nach ganz klar ein Nachwuchsproblem. Dass Gießerei eigentlich High-Tech ist, dass da eine unheimliche Vielzahl an Produkten, an technologischen Möglichkeiten, Anforderungen und auch Karrieremöglichkeiten hinter steckt, wissen die meisten Jugendlichen überhaupt nicht."

Franz-Josef Wöstmann, Fraunhofer IFAM


Im Oktober 2018 fand in Guadalajara zum ersten Mal die EUROGUSS Mexico statt. / Quelle: NürnbergMesse

Was Jonathan Herrera als Beweggrund für den mexikanischen Markt erklärt hat, klingt in den Messetagen nach: die Arbeitskraft. In Mexiko und auch weltweit ist sie der Antrieb der Industrie, und die Nachwuchskräfte sind entscheidend auf dem Weg zu Industrie 4.0. Mehr noch: An sie wird die Frage der Energie- und Ressourceneffizienz gestellt. BMW Mexicana, die 2019 im neuen Werk in San Luis Potosi die 3er-Serie von  BMW produzieren werden, sprechen von einem Wettkampf um die Arbeiter. Im wahrsten Sinne des Wortes: Für die 300 Hektar große und 1 Billion US-Dollar starke Anlage rekrutierte das Unternehmen in diesem Jahr innerhalb von „Talent Land” neue junge Kräfte. 1500 direkte Angestellte wird es im nächsten Jahr geben, mit deren Hilfe bis zu 175000 Fahrzeuge jährlich fertig gestellt werden sollen. 

„Die Gießereibranche hat meiner Meinung nach ganz klar ein Nachwuchsproblem”, klagt Wöstmann an. Das Bild der Industrie sei in der Öffentlichkeit verschoben, weil Gießerei-Technologie in der Schule und selbst auf späteren Weiterbildungswegen kaum behandelt würde. „Dass Gießerei eigentlich High-Tech ist, dass da eine unheimliche Vielzahl an Produkten, an technologischen Möglichkeiten, Anforderungen und auch Karrieremöglichkeiten hinter steckt, wissen die meisten Jugendlichen überhaupt nicht.” 

Der Gießereiindustrie steht ein großer Wandel bevor. Das betrifft weltweit auch die Robotik und Industrie 4.0 und meint - bezogen auf den mexikanischen Markt - aber vor allem den Wandel innerhalb der abhängigen Automobilindustrie. Diese fordert höhere Flexibilität in der Produktion und das Vorhandensein von Teilen innerhalb kurzer Zeit und in kleiner Serie. 

Mit schnellen Modelländerungen ändern sich auch die Spezifikationen. Von den mexikanischen Gießereien und Gussteilherstellern wird dieselbe Flexibilität erwartet. Polak spricht von einer Änderung des globalen Mobilitätsmarktes: Alternative Antriebe, wie in der Elektromobilität und Hybridtechnik, führen zu veränderten Wertschöpfungsketten, in denen der Einsatz von Aluminiumguss und Leichtbaustrukturen zunehmen wird. 

 

EUROGUSS Mexico: Experten im Dialog

Mit der EUROGUSS Mexico stellte die NürnbergMesse die Weichen, Geschäfte im mexikanischen Markt auf- und auszubauen. Der Ausstellerpavillon der EUROGUSS Mexico mit insgesamt 32 Ausstellern war die größte Gemeinschaftsbeteiligung im Rahmen der Fundiexpo. 

Die über 6000 Fachbesucher waren unter anderem Vertreter von Druckgießereien und namhaften Zulieferern der Automobilindustrie „Das war ein ausgesprochen erfolgreicher Auftakt für die EUROGUSS Mexico und genau der richtige Zeitpunkt für die Erweiterung unserer Druckguss-Produktfamilie in Mexiko. Wir haben durchweg positive Resonanz von den Teilnehmern erhalten, die vor allem die Qualität der Fachbesucher loben. Die Stimmung in den vollen Messehallen war ausgezeichnet. Wir freuen uns schon auf die nächste EUROGUSS Mexico im Herbst 2020“, so Christopher Boss, internationaler Produktmanager und Veranstaltungsleiter der EUROGUSS bei der NürnbergMesse. 

Das begleitende Konferenzprogramm bot einen tiefen Einblick in die aktuellen Branchenthemen. In mehr als 15 Vorträgen von Experten der Druckgussindustrie, unter anderem auch von Ausstellern der EUROGUSS Mexico, informierten sich die Fachbesucher rund um den Leichtmetallguss. Die Teilnehmer erhielten aber auch ausführliche Informationen zur mexikanischen Gießereibranche. 

Der Gießereimarkt und die Forschung in diesem Bereich werden immer globaler, was einen Austausch und eine Vernetzung zwischen Forschungseinrichtungen immer wichtiger macht. Im Rahmen der Konferenz wurde deshalb ein Treffen zwischen deutschen und mexikanischen Universitäten organisiert. 

Christopher Boss freute sich über das rege Interesse der mexikanischen Hochschulen: „Mit dem University Meet-Up haben wir den Grundstein für eine Vernetzung von Forschungseinrichtungen gelegt. So konnten wir hoffentlich einige gemeinsame deutsch-mexikanische Projekte anschieben. Das Event war so erfolgreich, dass wir solche Treffen zukünftig bei allen unseren Veranstaltungen der EUROGUSS Messefamilie etablieren möchten.“ 

Weitere Informationen: www.euroguss.de/international