29.10.2018 | Ausgabe 10/2018

Gießerei-Sande aus der Oberpfalz

Die Firma Strobel Quarzsand in Freihung fördert seit mehr als 135 Jahren Sande für zahlreiche Branchen. Das Unternehmen zählt heute zu den Topanbietern in Deutschland.

Quelle: Strobel Quarzsand

Deutschland gilt zwar gemeinhin zu den rohstoffarmen Ländern – kein Mangel herrscht jedoch an Quarzsand, der zu hochwertigen Industrieprodukten veredelt werden kann. Eine der rund vierzehn Quarzsandlagerstätten, wo Sande für Gießereien gefördert werden, befindet sich im Raum Gebenbach  und Freihung in der Oberpfalz. Seit über 135 Jahren werden dort von der Firma Strobel Sande für verschiedenste Industrieanwendungen abgebaut.

Die heutige Palette der Strobel Quarzsand GmbH reicht von Produkten für Gießereien (40 %), für die Glasindustrie   35 %), Bauchemie (20 %) sowie für Bauprodukte und für die Bereiche Sport und Freizeit. Die Strobel Quarzsand GmbH ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen mit ca. 70 Mitarbeitern. „Trotz der  schlanken Organisation produzieren wir jährlich ca. 700 000 t in unserem Werk in Freihungsand und zählen damit zu den Top-Quarzsandproduzenten in Deutschland“, so Benjamin Forster, Sohn der beiden Geschäftsführer Lisselotte und Günter  Forster.

Bis dahin war es freilich ein langer Weg . Im 19. Jahrhundert wurde der „Freihunger  Quarzsand“, der für seine hohe Reinheit bekannt ist, noch im Untertagebau gefördert. Heute wird der Quarzsand bei Strobel mit modernsten Maschinen in insgesamt sechs Gruben ausschließlich im Tagebau gefördert.

Nur Sande aus eigenem Abbau
„Wir bieten ausschließlich Sande an, die aus eigenem Abbau stammen“, so Benjamin Forster. Die Strobel Quarzsand  GmbH hat sich dabei auf Fein- (MK < 0,15 mm) und Feinstsande (MK < 0,1 mm) spezialisiert, die sich durch hohe SiO2-Gehalte und geringe Verunreinigungen auszeichnen.

Dennoch erweitert sich das Angebot von Strobel kontinuierlich. „Der vermehrte Wunsch der Kunden nach Individualisierung der Spezifikationen hat die Anfor derungen an unsere Produkte verändert“, stellt Benjamin Forster fest. „Neben dem Bedarf an individuelleren Sandsorten hat sich auch die Kundschaft geändert. Unsere Produkte werden zunehmend international nachgefragt, ohne dass wir international aktiv Neukundenakquise betreiben.“

Rund 40 Prozent der Quarzsande von
Strobel werden an die Gießerei-Industrie
geliefert / Quelle: Strobel Quarzsand

Individuelle Sandaufbereitung 
Sand ist ein Naturprodukt. Daher sind auch die Zusammensetzungen der abgebauten Sande in einem gewissen Rahmen unterschiedlich, z.B. der Anteil an Ton- und Schwermineralien. Um die geforderte Qualität des Endprodukts sicherzustellen,  müssen die abgebauten Sande zunächst klassifiziert und anschließend aufbereitet  erden. Dies geschieht nach eigenen Angaben durch das selektive Aufbringen der Sande auf unterschiedliche Nassaufbereitungssysteme.

Die weiteren Aufbereitungsstufen des Quarzsandes sind Vorabsiebung, Entschlämmung  durch unterschiedliche Hydrozyklonstufen, Attrition der Sande zum Reinigen der Kornoberflächen, Klassierung in einzelne Kornfraktionen in Hydrosizern, Abtrennung der magnetischen Fremdmaterialien durch nasse Magnetseparationund Entwässerung des Endproduktes  mittels Vakuumbandfilter oder Vibrationssiebmaschinen. Die entschlämmten, klassierten und sortierten Quarzsandewerden anschließend in einer großen Halle zwischengelagert und über ein Drainagesystem entwässert. Die Restfeuchte der Quarzsande wird später über Drehrohrtrockner  auf weniger als ein Promille reduziert. Hochfrequenzsiebmaschinen sorgen schließlich für eine sehr hohe Siebgenauigkeit. Je nach Kundenwunsch erfolgen Absiebungen von Korngrößen zwischen 0,09 und 1,6 mm, teilt das Unternehmen dazu mit.

Die Sande für den Gießerei-Bereich sind zur Herstellung von Formen und Kernen mit den Bindemitteln Bentonit, Kunstharz oder Wasserglas geeignet. Sie dienen als Grundlage für Fertigsande für die verschiedenste Einsätze bis hin zum Rapid Prototyping. Neben den Standardsorten im Körnungsbereich von MK 0,09 mm bis MK 0,40 mm bietet Strobel als Additiv im Grünsand feinste Spezialsande bis AFS 250 an. Die Gießereisande werden im eigenen Labor laufend untersucht, um ihre Verwendung für die Kern- und Formherstellung zu optimieren. Auch auf die Anforderungen der additiven Fertigung hat sich Strobel nach Angaben von Benjamin Forster eingestellt. „Wir haben bestehende  andtypen an die Anforderungen des 3D-Drucks angepasst.“

Ausblick

Für die Zukunft sieht Benjamin Forster das Unternehmen gut aufgestellt. Zwar gibt es eine Reihe von Herausforderungen, z.B. die Sicherung von Rohstoffvorkommen, das Einstellen und Binden von qualifizierten Mitarbeitern sowie zunehmende gesetzliche Auflagen. Dennoch: „In den letzten Jahren hat  sich die Nachfrage weg von den Standardsorten und hin zu individueller beprobten und spezifizierten Sandsorten entwickelt. Die Kunden wünschen ein immer breiteres Angebot und eine größere Vielfalt an Sandsorten“, so Benjamin Forster. All dies  mache Strobel zu einem starken Partner für die Industrie.


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