13.06.2018 | Ausgabe 06/2018

Umweltschutz

Vom Formstoff zum Altsand – Umweltrechtliche Herausforderungen

Zusammenfassung
Der Druck aus Politik und Gesellschaft auf die Industrie zur Verringerung ihrer Umweltauswirkungen wächst ständig. Von bestimmten Interessengruppen wird darüber hinaus die Vision einer völligschadstoff freien Umwelt postuliert, wobei in fataler Weise verkannt wird, dass dies mit dem verfügbaren Stand de rTechnik nicht realisierbar ist. Gleichzeitig besteht beim Verbraucher der Anspruch auf immer neue, modernere Produkte –natürlich möglichst ressourcenarm und emissionsfrei hergestellt. Dieses „Waschmir den Pelz, aber mach mich nicht nass“-Prinzip schlägt sich letztlich in immer strengeren Anforderungen der Umweltgesetzgebung nieder. Die Gießerei-Industrie als energieintensive Schwerindustrie ist davon in besonderer Weise betroffen. Viele Produktionsstandorte bestehen zum Teil seit über einhundert Jahren und sind mit der ständigen Herausforderung konfrontiert, ihre Anlagen und Verfahrentechnisch up-to-date zu halten, um Umwelt und Nachbarschaft so gering wie möglich zu belasten. Auch die zwei wesentlichen Materialström ein den Gießereien – metallische Einsatzstoffe und Formstoffe – unterliegen zunehmend strengeren gesetzlichen Regulierungen. Allein im Bereich des Umweltschutzes sind derzeit auf Bundesebene mehr als 80 Gesetze und 140 Verordnungen zu beachten, ergänzt durcheine unüberschaubare Anzahl an länderspezifischen Regelungen sowie Verwaltungsvorschriften. Aufgrund der Regulierungsfreudigkeit in Brüssel ist nicht davon auszugehen, dass es in absehbarer Zeit zu einer sachlich vernünftigen Konsolidierung im Umweltrecht kommt. Nachfolgend soll am Beispiel des Materialstromes Formstoff bzw. dem späteren Altsand dargestellt werden, welche umweltrechtlichen Anforderungen hauptsächlich zu beachten sind.

EU-Chemikalienrecht
Die Zulassung von chemischen Stoffen sowie deren Einstufung und Kennzeichnung werden maßgeblich auf europäischer Ebene geregelt. Die Vorschriften der Verordnungen zu REACH (Registrierung,Bewertung und Zulassung von Chemikalien) und CLP (Einstufung, Klassifizierung und Kennzeichnung) haben Schnittstellen zum Umwelt- wie auch Arbeitsschutzrecht. Insbesondere die Eliminierung schädlicher Substanzen steht hierbei im Vordergrund.

Die Regulierung von Chemikalien hat somit Auswirkungen auf das Handling von Gießereiformstoffen. In erster Linie betrifft dies die eingesetzten Binderchemikalien zur Verfestigung des Formstoffs– überwiegend Quarzsand – aber auch Quarz selbst gerät mehr und mehr ins Visier der europäischen Regulierungsbehörden. Im letzten Jahr ist nach jahrelangem, zähen Ringen zwischen EU-Kommission und Industrie Quarzfeinstaub, der arbeitsbedingt entsteht, in die EU Krebsrichtlinieaufgenommen worden. Dies ist zwar nicht einer Einstufung von Quarzfeinstaub als krebserzeugendem Stoff gleichzusetzen, zeigt aber eine Tendenz im europäischen Chemikalienrecht auf: krebserzeugenden oder -verdächtigen Substanzen wird verstärkt der Kampf angesagt. Sogar Quarz(sand) soll nachdem Willen Frankreichs zukünftig als krebserzeugend eingestuft werden. Dass dies aufgrund des natürlichen Vorkommens von Quarz – Stichwort Nordseestrand– sowie der breiten Anwendung in vielen wichtigen Industriezweigen und der Bauwirtschaft absurd ist, liegt auf der Hand. Dennoch findet dieser Vorstoß bei eher wirtschaftsfernen Vertretern aus Politik und Gesellschaft Anklang. Die Industrie ist nun gefordert, nachzuweisen, dass das Naturprodukt Quarz(sand)in keinster Weise eine krebserzeugende Wirkung hat. In industriellen Prozessen ist jedoch nach wie vor sicherzustellen, dass die Beschäftigten vor lungengängigem Quarzfeinstaub geschützt werden.

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