15.03.2019 | Ausgabe 3/2019

Innovativ im Netzwerk – Gießerei-Experten im Austausch

Das Technikum ermöglicht es ASK, seine individuell für den jeweiligen Kunden entwickelten Produkte unter praxisnahen Bedingungen auszutesten. / Foto: ASK Chemicals

Mit einem Festakt und einem eintägigen Symposium feierte der Gießerei-Zulieferer  ASK Chemicals im Februar das 10-jährige Bestehen des Technikums in Hilden.

Eine größere Nähe zum Kunden herstellen“ – das war eines der Ziele bei der  Gründung des Versuchs- und Anwendungstechnikums in Hilden im Jahr 2008,an das Jörg Brotzki, Executive Vice President bei ASK Chemicals, bei der Eröffnung  des Festakts zum 10-jährigen Bestehen des Technikums erinnerte. Nur wer sich in die Position des Kunden hineinversetzt, könne  am Ende auch auf Kundenzufriedenheit hinarbeiten, sei eshinsichtlich der Produktqualität,  der zeitlichen Bereitstellung und natürlich des Preises.

Dass all dies erreicht wurde, daran ließ Jörg Brotzki keinen Zweifel. Es sei gelungen,  ein Netzwerk aus zahlreichen Experten aus Industrie und Wissenschaft zu bilden, dasdazu beträgt, Innovationen in kurzer Zeit in  die Praxis umzusetzen. Das Gießereitechnikum in Hilden hat dazu auf Seiten von ASK Chemical erheblich beigetragen. Denn esermöglicht ASK nach eigenen Angaben,  seine individuell für den jeweiligen Kunden und dessen Bedürfnisse entwickelten Produkte unter praxisnahen Bedingungen auszutesten und zu optimieren, z.B. die Untersuchung des Zusammenspiels von Additiven, Harzen, Schlichten, Bentonit und Schwarzstoffen, Speisern und metallurgischen Impfmitteln.

Das Technikum enthält eine vollständige Mini-Gießerei mit allen Maschinen, die  für die Herstellung von Kernen in heißen wie kalten Verfahren, das Schlichten der Kernpakete, das Formen mit No-Bake-Harzen, das Schmelzen von Aluminium und Eisen sowie das Impfen und den Abguss notwendig sind. Für das Putzen sorgt eine moderne Strahlanlage.

Symposium mit  namhaften Experten
Unter dem Motto „Innovativ im Netzwerk – Gießerei-Experten im Austausch“ lud ASK Chemicals am 15. Februar zu einem eintägigen Symposium ein. Vor zahlreichen Vertretern aus der Gießerei-Industrie, der Wissenschaft und Verbänden referierten  Experten aus all diesen Bereichen über aktuelle Themen aus der Praxis, sei es zur Einführung  von Innovationen, zur Verbandsarbeit,über den Umgang mit Mitarbeitern  und Kunden, die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit  der über die zunehmende Bedeutung des 3D-Drucks.

In seiner Begrüßung wies Frank Coenen, CEO von ASK Chemicals, darauf hin, dass das Unternehmen Gewinne machen  muss, um die Anteilseigner von ASK zufrieden zu stellen, aber natürlich auch, um finanziell stark genug zu sein, um in das Unternehmen zu investieren. In den vergangenen vier Jahren sei ASK deutlich stärker geworden, um in die Zukunft zu investieren. Und in den nächsten vier Jahrenwird ASK jährlich 20 bis 30 Millionen Euro  in Kapazitäten auf den Wachstumsmärkten investieren. Auch in Deutschland, Spanien, China und Indien sollen die Kapazitäten ausgebaut werden.

Max Schumacher, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Gießerei-  Industrie (BDG), schärfte in seinem Vortrag das Bewusstsein für die Bedeutung von Branche und Verband. Ein Umsatz von 3,2 Mrd. Euro, den die Gießerei-Branche in  Deutschland zuletzt erzielte, sei zwar eine stattliche Summe. Aber die verarbeitende Industrie erzielt einen Umsatz von insgesamt 1,9 Billionen Euro. Mit einem Anteil von nicht einmal 1 % sei die Gießerei-Industrie eher ein kleiner Mitspieler. Das heißt auch, dass der Einfluss der Gießerei-Industrie hart erkämpft werden muss. Die Gießerei-Branche ist vor allem mittelständisch geprägt und der Mittelstand ist das Rückgrat der Industrie in Deutschland. Und dem  wolle der BDG auch auf politischer Ebene Ausdruck verleihen. Der Mittelstand schaffeden Wohlstand in Deutschland, und es  gelte, ihm in der Politik Gehör zu verschaffen, wenn es um die Förderung der Wirtschaft in Deutschland geht und nicht nur der Großindustrie.

Sorge bereite Schumacher zufolge, dass die Leistungsrendite der Gießereien in  Deutschland nach den letzten vorliegenden Zahlen für 2016 nur 1,3 % beträgt, und es seianzunehmen, dass sie 2017 und 2018 auch  nicht besser sei. Einer der Gründe dafür ist, dass die Verkaufspreise trotz steigender Kosten (Produktion, Rohstoffe usw.) nichtentsprechend erhöht werden konnten.

Heinz A. Trzmiel, der den Bereich Gießerei Internationale Projekte der Daimler AG  leitet, schilderte in seinem Vortrag Entwicklung und Historie von Gießereisystemen von ASK Chemicals bei Daimler-Foundries in den vergangenen 35 Jahren. ASK sei in dieser Zeit nicht nur Lieferant, sondern ein echter Entwicklungspartner gewesen.

Die Anfänge von Daimler mit ASK lagen in der Entwicklung der Coldboxsysteme der ersten Generation im Jahr 1984. Eine der großen Herausforderungen waren seinerzeit  möglichst dünnwandige Querschnitte zu realisieren. Kerne mit 5 mm waren seinerzeit das Ziel, die einem heute wie eine „Hauswand“ vorkämen. Eines der großen Probleme war dabei der zu hohe Ausschuss. Aber mit den Entwicklungsingenieuren von  ASK konnten die Schwierigkeiten gemeinsam gelöst werden. Aktuell sieht Trzmiel die Gefahr eines Kompetenzverlustes für die Gießereitechnik in Europa. Auch wenn Länder wie Indien uns in Europa derzeit noch wie Entwicklungsländer vorkämen, könnte Europa in einigen Jahren das Nachsehen haben, wenn die Entwicklung dort nicht genau beobachtet werde.

Über das große Thema 3D-Druck informierte  Dr. Ingo Ederer, CEO der voxeljet AG, in seinem Vortrag über „Wie der 3D-Druck die Gießerei-Industrie verändert“.So habe sich die Herstellungskette  durch den 3D-Druck stark gewandelt. Traditionell habe man eher eine stark standortorientierte Produktionsweise. Um Preisvorteile zu erzielen, werde – wo es möglich ist – in Billiglohnländern produziert. Und vondort werden die Waren über lange Strecken  in die Zielländer transportiert. Mit dem 3D-Druck könne dagegen direkt kostengünstig in den Zielländern produziert werden. Dann habe man das Warenlagerungsund Logistikproblem nicht mehr.

Derzeit verzeichnet der 3D-Druck die höchsten Wachstumsraten in der Fertigung.  Er bündelt zudem eine große Bandbreite unterschiedlicher Produktionsverfahren– 3D-Druck ist nicht gleich  3D-Druck. Vielmehr gebe es beim 3D-Druck rund hundert verschiedene Verfahren und etwa zwei Dutzend davon seien ökonomisch und sinnvoll anwendbar. Ein Nachteilsei heute noch die geringe Baurate. Im  Bereich der Großserienfertigung sind traditionelle Verfahren derzeit noch schneller.Aber der 3D-Druck hole stark auf.

„Einblicke und Forschung, Innovation und Kooperation zur zukünftigen Ausrichtung und Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit  der deutschen Gießereiindustrie im Kontext globaler Markt- und Technologieentwicklungen“ war das Thema von Prof. Dr. Martin Fehlbier, Institutsdirektor und Fachgebietsleiter Gießereitechnik – GTK, Zentrum für Gussleichtbau und Konstruktion der Universität Kassel. Er wies darauf hin, dass die Zahl der Auftragseingänge der deutschen Automobilindustrie (16,5 Mio. Autos) im Jahr 2018 um 7 % gegenüber dem Vorjahr gesunken sei. Auch auf anderen  Märkten sei der Verkauf rückläufig, z.B. China (-6 %) und USA (-3 %). Beim Thema E-Mobilität warnt Professor Fehlbier davor, dass die Industrie ausschließlich auf E-Autos setze. Allein bei der Batterie-Produktion mache man sich bei den Rohstoffen abhängig von einzelnen Ländern, die hinsichtlich der politischen Lage möglicherweise keine dauerhaft verlässlichen  Partner sein könnten. 60 % des  weltweit benötigten Kobalts kommen z.B. aus dem Kongo und 70 % des Graphits aus China. Zudem sei der Metallabbau in vielen Ländern mit großen Umweltrisiken verbunden. Ein großer Nachteil von elektrisch  angetriebenen Autos seien die hohen Herstellungskostender Batterien. Gerade bei  Kleinwagen würde sich der E-Antrieb wegen der hohen Kosten der Batterien kaum lohnen. Wichtig sei ein Mix aus verschiedenen Antriebsarten, wobei auch die Brennstoffzelle noch eine große Rolle spielen könnte.

Stefan Mettler, Technical Director der DIHAG Holding GmbH, referierte über  „Multiple Restriktionen in der modernen Gießerei und wie man hierauf gute Antworten findet“. Grundsätzlich müsse sich jeder Firmenchef fragen, welche Maßnahmen  zum Erfolg des Unternehmens führen.Dabei spielen natürlich technische Innovationen  und Kundennähe eine entscheidendeRolle. Aber wichtig seien auch die Optimierung  der Produktionsprozesse. ZumBeispiel solle alles, was keine Wertschöpfung  generiert, vermieden werden.

Wichtig sei auch die Menschenführung. Mitarbeiter in leitenden Stellungen von Unternehmen sollten nicht nur etwas  vom Fach verstehen, sondern sich auch um die Mitarbeiter kümmern.

Dr. Jens Müller, Globaler Leiter Forschung & Entwicklung bei ASK Chemicals,  trug seine Erfahrungen über „Die Einbindung von Kundenerfahrungen in den Innovationsprozess“ vor. Anhand eines praktischen Beispiels schilderte Müller die Zusammenarbeit mit einem Kunden bei einem Projekt, das zum Ziel hatte, den Formaldehydanteil im Abgasstrom zu verringern. ASK entwickelte dafür einen speziellen Problemlösungsansatz: das Low-Formaldehyde- System-Konzept, kurz LFS, was ein detailliert  eplantes Vorgehen beschreibt. Zwar sei es immer wichtig, möglichst effizient zu planen und zu handeln. Jens Müller machte aber auch klar, dass der Lösungsweg nicht immer gerade sei. Oft genug gab es bei den Ergebnissen im Labor und der probeweisen  msetzung beim Kunden überraschende Differenzen, deren Ursachen man nach und  nach auf die Spur kommen musste.

Im Schlusswort warb Jörg Brotzki dafür, Interesse für die Gießereitechnik in der Gesellschaft  zu wecken, um den Nachwuchs für die Branche zu sichern. Wichtig sei dabei das „Networking“. ASK engagiert sich in zahlreichen Gremien, Verbänden und Ausbildungseinrichtungen, um Einfluss zu gewinnen und auch den Kontakt zu künftigen Nachwuchskräften zu bekommen. Daraus resultieren im besten Fall sogar Übernahmen junger Fachkräfte in das ASK-Team, die neben ihren Fachkenntnissen vor allem Leidenschaft für ihren Beruf mitbringen  sollten.


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