15.05.2019 | Ausgabe 5/2019

„Die Digitalisierung wird die Kernfertigung nachhaltig verändern“

„Die Digitalisierung wird die Kernfertigung

nachhaltig verändern“

Andreas Mössner, Geschäftsführer von Laempe Mössner Sinto. /  Quelle: Laempe Mössner Sinto

Andreas Mössner, Geschäftsführer von Laempe Mössner Sinto. / Quelle: Laempe Mössner Sinto

Der Geschäftsführer von Laempe Mössner Sinto, Andreas Mössner, erklärt im Interview wie automatisierte Prozesse, vollautomatische Lieferketten und Datentransparenz mehr Effizienz in die Kernfertigung bringen und Kosten reduzieren.

GIESSEREI PRAXIS: Herr Mössner, das Unternehmen Laempe Mössner Sinto hat sich eine Digitalisierungsstrategie verordnet – warum?
Andreas Mössner: Das hat zwei Gründe: Erstens sind wir als Firma schon seit der Gründung von Laempe 1980 bekannt dafür, dass wir Innovationen gezielt entwickeln und als Impulsgeber in der Kernfertigung wahrgenommen werden. Diesen Anspruch haben wir natürlich immer noch. Zweitens – und das ist der wichtigere Grund – sehen wir sehr große Chancen für die gesamte Gießerei-Branche in der Digitalisierung ihrer gesamten Prozesslandschaft und ihrer Produktionsprozesse im Speziellen. Dabei möchten wir als Lösungsanbieter in der Kernfertigung natürlich alle uns betreffenden Themen, die um Industrie 4.0, Smart Data und Künstliche Intelligenz kreisen, abdecken. Das erwarten unsere Kunden von uns, aber das ist auch der Anspruch an uns selbst.

Wie sieht diese Strategie konkret aus? 
Wir sehen die größten Vorteile der Digitalisierung in der Verfügbarkeit und Verknüpfung von Daten. Die Visualisierung und die Kontextualisierung dieser Unmengen von Daten sind die Grundlage für unser übergeordnetes Ziel: Die Effizienz in der Kernfertigung zu steigern und damit die Stückkosten pro Kern zu senken. Die Laempe-Strategie ist ausschließlich auf dieses Ziel fokussiert.

Kettenentgraten von Pinolen bei der Inacore unter Einsatz eines Robotergreifers. / Quelle: Laempe Mössner Sinto GmbH/Martin Ledermüller

Welche Bedeutung hat die Digitalisierung  für die Gießereibranche?
Eine sehr große Bedeutung! Wir glauben zwar nicht, dass die Digitalisierung wie in anderen Branchen, zum Beispiel Medien, etablierte Geschäftsmodelle in der Gießereibranche  komplett in Frage stellen. Aberdennoch wird die Digitalisierung auch die Gießerei-Branche und speziell auch die Kernfertigung nachhaltig verändern.

Woran liegt es, dass die Branche der weltweiten Entwicklung hinterherhinkt?
Ich würde gar nicht von hinterherhinken sprechen, das klingt so, als wären die Gießereien nicht auf der Höhe der Zeit. Es ist vielmehr so, dass die Digitalisierung viele Bereiche zuerst erfasst hat, die einen Verbraucher- zentrierten Ansatz haben. Jetzt werden nach und nach die Industrie-Sektoren erfasst. Auch weil jetzt erst die Möglichkeiten da sind, um die Vorteile der Digitalisierung dort auch wirklich zu nutzen. Zum Beispiel die komplette Vernetzung, Analyse-Software und vieles mehr stehen erst seit kurzem in der benötigten Qualität zur Verfügung. Einen zusätzlichen Schub erwarte ich zudem auch durch die nachrückenden jungen Führungskräfte in der Gießerei. Sie sind mit den Vorteilen der Digitalisierung im privaten Umfeld bereits vertraut und leiten daraus auch eine entsprechende Erwartungshaltung an ihr Arbeitsumfeld ab.

Vielleicht schrecken die einen oder anderen vor den Kosten zurück…
Ja, das mag sein, Investitionen in Digitalisierungskonzepte sind heute noch schwer durch klassische Investitionsrechnungen zu rechtfertigen. Dennoch gehen wir davon aus, dass Gießereien die konsequent auf Digitalisierung setzen, am Ende des Tages niedrigere Stückkosten haben werden.

Ein Qualitätsmitarbeiter bei der Ansicht der optischen Messergebnisse
eines Sankerns im Qualitätslabor der Inacore. / Quelle: Laempe Mössner Sinto GmbH/Martin Ledermüller

Brauchen Gießereien die Digitalisierung? Warum?
Gießereien sind unsere Kunden und wir wissen um deren Bedürfnisse. Und wie bereits angesprochen, sorgt die Digitalisierung für eine höhere Effizienz in allen Bereichen: Automatisierte Prozesse, vollautomatische Lieferketten, Datentransparenz und vieles mehr sorgen für geringere Kosten und eine wesentlich größere Ressourcenschonung. Das brauchen Gießereien weltweit, aber natürlich speziell diejenigen an stark entwickelten Technologie-Standorten. Die Digitalisierung in der Gießerei-Branche geht aber auch stark von Zulieferern wie Laempe Mössner Sinto aus, das zeigen wir gerade in unserem Joint-Venture Inacore, das wir gemeinsam mit der R. Scheuchl GmbH gegründet haben. Die Inacore haben wir als „Kernfertigung der Zukunft“ konzipiert und beliefern seit Anfang 2018 die Leichtmetallgießerei von BMW in Landshut mit Kernen. Hier haben wir unsere Vorstellungen einer hochmodernen und konsequent digitalisierten Kernfertigung in die Tat umgesetzt. Die Inacore ist zudem unser Vehikel und Showroom für weitere Innovationen.

Welche Rolle spielen Kernfertigungs- Anbieter im Digitalisierungsprozess?
Wir sind davon überzeugt, dass sich die  Rolle der Kernschießmaschinenhersteller wandeln wird. Bei Inacore beispielsweise ist Laempe Mössner Sinto Maschinenlieferant, aber darüber hinaus auch Kernfertiger. Eine Auswirkung der Digitalisierung wird unserer Meinung nach deshalb sein, dass wir Maschinen- und Anlagenbauer immer mehr von Herstellern zu Betreibern werden, da auch hier der Ansatz „Nutzen“ anstelle von „Besitzen“ dominant sein wird. Dieser Wandel wird stark getrieben durch die Digitalisierung.

Welche Vorteile bringt die Digitalisierung speziell für die Kernmacherei?
Kurz gesagt sind auch hier die Effizienzsteigerung, Prozesstransparenz und die Erhöhung der Maschinenverfügbarkeit die wesentlichen Punkte. Sie müssen sich eines vergegenwärtigen: Auch wenn die maschinelle Kernherstellung in der Gießerei schon vor über siebzig Jahren zum ersten Mal zum  Einsatz kam, ist der Kernschießprozess bis heute noch nicht vollständig verstanden. „Woher kommen Schwankungen in der Kernqualität? Wieso war der Kern bis gerade  eben noch gut und jetzt brechen die Kerne?“ Diese Fragen sind in der Branche allgegenwärtig. Die Antwort darauf ist selten datenbasiert, sondern beruht vielfach  auf dem Erfahrungsschatz einzelner Gießerei- Mitarbeiter. Digitalisierung kann und wird das ändern. Und hier kommen selbstverständlich die Maschinenhersteller wie Laempe Mössner Sinto ins Spiel: Denn natürlich verstehen wir es als unsere Aufgabe, den Kernherstellungsprozess möglichst komplett zu durchleuchten.

Produktionshalle Inacore mit sechs Kernschießmaschienen von Laempe vom Typ LHL30. / Quelle: Laempe Mössner Sinto GmbH/Martin Ledermüller

Läuft mit der Digitalisierung in Zukunft alles automatisch und die Gießereien der Zukunft werden komplett von Computern und Maschinen bedient?
Nein, dieses Szenario sehen wir in der nahen Zukunft nicht. Natürlich werden automatisierte Abläufe gewisse Arbeiten weiter ersetzen. Aber ich glaube fest daran, dass menschliche Aufgaben künftig nicht wegfallen, sondern einfach qualifizierter und anspruchsvoller werden. Das sehen wir  jetzt auch bei der Inacore: So haben wir jüngst beispielsweise einige unsere Mitarbeiter in Roboterschulung weitergebildet.

Digitalisierung wird sicher auch auf Ihrem Stand auf der GIFA eine Rolle spielen, was haben Sie für die Messe geplant?
Ja, da haben Sie recht. Wir stellen unter dem Motto „Discover the true potential of the modern core shop“ in diesem Jahr die Themen Datentransparenz, Digitalisierung und Gesamteffizienz in den Vordergrund. Dabei zeigen wir Neuigkeiten und Entwicklungen in den Bereichen Kernproduktion, Datenanalyse und –visualisierung sowie automatische Sichtprüfung. Unsere Produkte und Services stehen für hohe Gesamteffizienz in der Kernfertigung und damit für niedrigste Stückkosten pro Kern.

Sie haben angekündigt, dass Sie auf der GIFA ein „Digital Cockpit“ vorstellen werden – können Sie uns dazu mehr verraten?
Ja, sehr gerne. Unser Digital Cockpit ist eine Analyse- und Visualisierungssoftware und steht für Datentransparenz, Visualisierung und Digitalisierung in der Kernfertigung. Die Software wurde gemeinsam mit der pragmatic industries GmbH, einem Start-Up an dem sich die Laempe Mössner Sinto GmbH beteiligt hat, entwickelt. Mit der Visualisierungssoftware, die zum Beispiel bei der Inacore schon seit über einem Jahr im Einsatz ist, lassen sich die wichtigsten Kennzahlen in der Kernfertigung in Echtzeit darstellen.

Blick auf den oberen Verfahrwagen der LHL50. / Quelle: Laempe Mössner Sinto GmbH / Dirk Mahler

Welche Funktionen bietet das „Digital Cockpit“ konkret?
Das Digital Cockpit ist sehr modular aufgebaut und kann verschiedenste Anzeigen und Analysen je nach Kundenwunsch beziehungsweise Interessengruppen zusammenfahren. Dies können beispielsweise Maschinenparameter, Produktivität, Stillstandserfassung, Energieverbrauch, Condition Monitoring für Maschinen und Werkzeuge und vieles mehr sein. Ein zentrales Element des Digital Cockpit ist die Erfassung  nd Analyse der Anlagendaten hinsichtlich Qualität, Leistung und Verfügbarkeit. Durch das Monitoring dieser und weiterer Parameter wird es möglich, Rückschlüsse zu ziehen, welche Parameteränderungen den Gesamtprozess der Kernfertigung beeinflussen. Durch die permanente Analyse der Anlagendaten über das Digital Cockpit können damit die Gesamtanlageneffektivität (OEE) in Echtzeit berechnet werden und unseren Kunden Ansatzpunkte für Verbesserungspotenziale aufgezeigt werden.

Welchen Nutzen ziehen Sie aus der Teilnahme an der GIFA?
Für uns ist die GIFA die wichtigste Leistungsschau der Branche. Wir sind als Partner von Gießereien weltweit natürlich auch vor Ort, um viele Kontakte an einem einzigen Ort zu treffen. Selbstverständlich nutzen wir die GIFA auch dazu, Geschäfte mit Neu- und Bestandskunden anzubahnen.


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