Aluminiumgießerei zieht alle Register

Einsparmöglichkeiten sind noch nicht ausgereizt

Energiepreis
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Betriebswirtschaft und Management
Nichteisenwerkstoffe
Die Aluminiumgießerei G. A. Röders stemmt sich gegen den Gaspreisdruck. Drei Wochen wird in 24-Stunden-Schichten gearbeitet, anschließend steht die Gießerei eine Woche still.

Die Gießerei ist als innovatives Unternehmen bekannt. Mit dem ambitionierten Ziel, in der Branche ein Vorreiter für den Klimaschutz zu werden, startete G. A.Röders mit anderen Unternehmen am 1.1.2022 ein Forschungsprojekt zur Entwicklung eines wasserstoffbetriebenen Aluminium-Schmelzofens. 

Nun beweisen die Firmenchefs erneut unternehmerische Flexibilität. Die Gießerei hat ihren Schichtbetrieb umgestellt, um mit weniger Gas auszukommen. Drei Wochen wird in 24-Stunden-Schichten gearbeitet, anschließend steht die Gießerei eine Woche still.

Gerd Röder, Geschäftsführer Aluminiumgießerei, erläutert: „Man muss wissen, dass eine Gießerei hochzufahren, das Aufheizen des Ofens, sehr energieintensiv ist. Wenn sie läuft, können wir den Energieverbrauch auf einem guten Level halten. Aber sie immer abends auszuschalten, über Nacht abzukühlen, morgens anzuheizen ist irre teuer.“

Röders Gasrechnung hat sich seit dem vergangenen Jahr auf 12,3 Millionen Euro verdoppelt.

„Auch unsere Kunden sind nicht daran interessiert, dass wir pleitegehen. Insofern gehen wir auf unsere Kunden zu, sprechen mit ihnen und legen unsere Preise regelrecht offen und sagen: ihr müsst jetzt mehr bezahlen. Weil: es hat keinen Sinn, Teile zu liefern, wo man Geld drauflegt und keins verdient.“ so Röders weiter.

Energiekrise in der Industrie

Die energieintensive Aluminium-Industrie in Deutschland stellt angesichts der Unsicherheiten in der Gasversorgung Notfallpläne auf. Laut einer Pressemeldung des Verbandes Aluminium Deutschland können neun von zehn Unternehmen der deutschen Aluminiumindustrie nicht auf einen anderen Energieträger ausweichen, sollte kurzfristig kein Gas mehr zur Verfügung stehen. 

Dr. Hinrich Mählmann, Präsident von Aluminium Deutschland, warnt: „Noch ist Gas für die Aluminiumindustrie und ihre Produktionsprozesse unverzichtbar. Sollte es zu einem Gas-Lieferstopp aus Russland kommen, hätte das dramatische Auswirklungen auf die Betriebe der deutschen Aluminiumindustrie und sehr bald auf die Vielzahl unserer Kundenindustrien.“ Bereits ab einer Verringerung der Gaszufuhr von bis zu 30 Prozent würde bei der Hälfte der Betriebe die Produktion stillstehen.

Klare Worte zur allgemeinen Lage des Industriestandortes Deutschland äußert Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, in einem Interview mit der FAZ. Da Europa zur Zeit Rekordsummen für sein Gas zahlt, würde das die Industrieproduktion „in aller Härte“ verändern. Er prognostiziert für den kommenden Herbst und Winter: „Das wird eine soziale Auswirkung haben, das erahnen die Menschen nicht einmal.“

Über G. A. Röders
Die Aluminiumgießerei G.A. Röders im niedersächsischen Soltau ist auf die Herstellung von Werkzeugen, Gussteilen und Fertigprodukten spezialisiert. Als Zulieferer der Automobilindustrie gehören unter anderem Volkswagen oder Continental zu seinen Kunden. Das 1814 gegründete Unternehmen wird von seinen Inhabern geführt, inzwischen in der 6. Generation. Im Unternehmen sind 500 Arbeitskräfte beschäftigt.

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