Bei Laempe Mössner gehen die Elektronikbauteile aus

Stillstand in chinesischen Häfen

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Die rigorosen Lockdowns in China bremsen die Wirtschaft des Riesenreiches aus. Nicht nur die chinesischen Millionenstädte sind in voller Breite betroffen, sondern zunehmend auch deutsche Industriebetriebe.

Die chinesische Null-Covid-Strategie dauert an. Ganze Wirtschaftsmetropolen werden komplett in den Lockdown geschickt, darunter Shanghai mit seinem Tiefwasserhafen Yangshan, dem größten Hafen der Welt. Im Jahr 2021 wurden dort rund 47 Millionen TEU-Container umgeschlagen. Laut der Londoner Schifffahrtsberatung Drewry, blieben dort allein dieses Jahr im April ca. 260.000 für den Export in alle Welt bestimmte Container an Land stehen.

Das führt zu Problemen in den Lieferketten, die sich auch im deutschen Maschinenbau bemerkbar machen. In Barleben bei Magdeburg gehen Mitarbeiter der Firma Laempe Mössner bereits bei Ebay auf die Suche nach benötigten Elektronikbauteilen. Der Geschäftsführer André Klimm berichtet gegenüber dem MDR: „Wir haben aktuell bei Elektronikkomponenten oder Steuerungskomponenten eine Lieferzeit von 12 bis 15 Monaten. Wir bekommen teilweise gar keine Angebote oder Lieferzeiten mehr genannt, weil die Lieferanten, auch große namhafte Lieferanten keine Termine mehr abgeben“. Laempe Mössner produziert Spezialmaschinen für Gießereien, unter anderem Kernschießmaschinen. Die Auftragslage sei gut. Im Februar wurde im Magdeburger Werk die weltgrößte Kernschießmaschine montiert.

Obwohl Shanghai bis zum 1. Juni wieder schrittweise zur Normalität zurückkehren soll, ist es zu früh für eine Entwarnung. Im Gegenteil. Vincent Stamer vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel erläutert: "Das Schlimmste kommt erst noch, weil die Containerschiffe 30 bis 40 Tage nach Hamburg brauchen. Dann müssen die Güter noch weiter transportiert werden.“ Die Lieferengpässe, die durch den Lockdown in Shanghai verursacht werden, beginnen sich in Deutschland also erst jetzt, ab Ende Mai niederzuschlagen.

Doch nicht nur fehlen dringend benötigte Einzelteile für die deutschen Produktionsstätten, sondern auch der Geschäftsbetrieb in China wird behindert.

Laut der Frühjahrsumfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer unter den in China ansässigen 850 Mitgliedsunternehmen musste fast jedes zweite Unternehmen seinen Betrieb Lockdown-bedingt komplett einstellen, hiervon wiederum 40 Prozent für mindestens drei Wochen, viele sogar länger. Die Stimmung ist pessimistisch. Drei Viertel der befragten Unternehmen rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einer gleichbleibenden Situation oder einer weiteren Verschlechterung der Lage. Im Herbst 2021 gingen die Unternehmen im Durchschnitt noch von einem Wachstum von 10 Prozent für das laufende Jahr aus. Nun wurden die Erwartungen auf 3 Prozent heruntergeschraubt.

Bei Laempe Mössner spiele das China-Geschäft deshalb eine immer kleinere Rolle, sagt Geschäftsführer Klimm. Von einst mehr als 20 Prozent Umsatz mit dem Land seien nur noch 5 bis 10 Prozent übrig.

www.laempe.com

www.vdma.org

www.mdr.de

Laempe Mössner Sinto ist ein weltweit führender Anbieter für gießereitechnische Lösungen in der Kernfertigung. Gießerei-Experte André Klimm, im Unternehmen vorher für die Unternehmensentwicklung tätig, ist seit Mai 2022 neuer Geschäftsführer neben Rudolf Wintgens und Andreas Mössner. Er verantwortet er die Bereiche Einkauf, Finanzen, Controlling, Personal, Service und IT sowie den Vertrieb.