Deutsche Aluminiumproduktion sinkt weiter 

Strompreis setzt der Rohaluminiumbranche sichtbar zu

Energiepreis
Betriebswirtschaft und Management
Nichteisenwerkstoffe
Die Aluminiumproduktion bricht im bisherigen Jahresverlauf um ein Fünftel ein, die Halbzeughersteller zeigen sich hingegen stabil.

Nachdem der Strompreis ein neues Rekordniveau erreicht hat, stehen die stromintensiven Aluminiumhütten in Deutschland vor existentiellen Herausforderungen. Durch die jüngst beschlossene Gasumlage entstehen der Branche zudem Mehrkosten in Höhe von knapp 200 Mio. Euro. Gerade bei den gasintensiveren Recycling-Betrieben ergeben sich dadurch Zusatzkosten im fünfstelligen Euro-Bereich pro Mitarbeiter.

Dr. Hinrich Mählmann, Präsident von Aluminium Deutschland (AD) warnt: „Aluminium ist ein Schlüssel für die Dekarbonisierung der gesamten industriellen Lieferkette. Eine schleichende Deindustrialisierung bedeutet eine Verlagerung in Regionen mit deutlich geringeren Sozial- und Umweltstandards – mit entsprechenden Folgen für das Klima. Deswegen sollten wir nicht an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen.“ Es müsse eine Lösung in der Energiekrise gefunden werden, sonst gäbe es bald keine Aluminiumhütten mehr in Deutschland. Die Folgen der Energiekrise zeigen sich deutlich. Die Aluminiumproduktion sinkt im zweiten Quartal 2022 erneut, besonders betroffen ist die Herstellung von Rohaluminium. Die Produktion verzeichnet 448.000 Tonnen, das ist für das zweite Quartal 2022 ein Rückgang um 23 Prozent.

 

Der Bereich Walzprodukte und Strangpressprodukte zeigte sich hingegen stabil. Im bisherigen Jahresverlauf bis Juni erreichten die Halbzeughersteller insgesamt ein Volumen von 1,34 Mio. Tonnen (±0 Prozent).

Mählmann sieht die Politik in der Verantwortung und empfiehlt, die konkrete Ausgestaltung der Gasumlage nochmals zu überdenken: „Eine zeitliche Streckung der Umlage, wie von der gesamten Industrie gefordert, wäre ein erster Schritt. Zudem sollte man in Berlin darüber nachdenken, die Über-Steuereinnahmen, die der Staat durch die hohen Energiepreise erzielt, einzusetzen, um für eine Entlastung zu sorgen. Die ohnehin stark belasteten Unternehmen erfahren durch die Umlage einen zusätzlichen Nachteil im internationalen Wettbewerb.“

Aluminium Deutschland e. V.
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