Deutschlands Rohstoffabhängigkeit alarmiert

Wie sich Deutschland und die EU aus Rohstoffabhängigkeiten lösen können.

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Der Großteil der Rohstoffe für die deutsche Industrie stammt aus undemokratischen Ländern. Die Lieferrisiken sind gerade bei dringend benötigten Rohstoffen extrem hoch.

Lukas Menkhoff und Marius Zeevaert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung e.V. haben die Importabhängigkeit Deutschlands und der EU bei 30 kritischen Rohstoffe untersucht. Deutschlands Abhängigkeit von Rohstofflieferungen ist alarmierend groß. Die teilweise extreme Abhängigkeit von den Rohstoffimporten sollte begrenzt werden. Dabei kommt es auf zügiges Umsetzen an.

Seltene Erden, Magnesium, Lithium, Kobalt oder Bauxit gehören zu den kritischen Rohstoffen. Sie sie ökonomisch wichtig, jedoch wird ihr Angebot gleichzeitig als riskant eingestuft.
Viele mineralische Rohstoffe lassen sich nur sehr schwer substituieren, spielen jedoch eine zentrale Rolle für die Industrie, darunter Automotive, Mobilfunk oder die Energiebranche. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wird der Bedarf an mineralischen Rohstoffen in den nächsten Jahren deutlich steigen, teilweise auf das Sieben- oder bis zu über 40-fache. Vor allem Lithium und Magnesium sind wichtig für die Energiewende; und seltene Erden werden für Windturbinen benötigt.

Während in der EU keine Seltenen Erden vorhanden sind und diese daher importiert werden müssen, könnten Magnesium und auch Lithium hingegen selbst produziert werden. Derzeit ist deren Gewinnung in der EU allerdings teurer als die Produktion in anderen Ländern. Zudem wird in der Gesellschaft noch darüber debattiert, ob diese Rohstoffe wirklich hierzulande gefördert werden sollten.

Ein Großteil der Rohstoffe für die deutsche Industrie stammt aus "wenig demokratischen" Ländern. "Die Produktion einiger dieser Rohstoffe konzentriert sich teilweise bis über 80 oder sogar bis über 90 Prozent auf einzelne Länder", erläutert Marius Zeevaert, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im DIW Berlin. Er geht davon aus, dass die besonders undemokratischen Länder tendenziell auch weniger zuverlässig bei den Lieferungen sind. Die Lieferrisiken sind gerade bei dringend benötigten Rohstoffen extrem hoch.

Um Lieferabhängigkeiten zu verringern, empfiehlt Zeevaert, Mindestreserven für spezifische Rohstoffe vorzuhalten. Als kurzfristige Maßnahme sei eine Bündelung der Nachfrage sowie eine Diversifizierung der Bezugsländer hilfreich. Langfristig sollten das Recycling verbessert und eigene Produktionsmöglichkeiten in der EU genutzt werden. 

Lukas Menkhoff, Leiter der Abteilung Weltwirtschaft im DIW Berlin, schlussfolgert: „Durch alle genannten Maßnahmen würden zwar auch die Kosten der Rohstoffe steigen, aber Deutschland würde stark an Versorgungssicherheit gewinnen – vor allem dann, wenn die Länder der Europäischen Union kooperieren würden“.

Zuerst einmal sei es Aufgabe der Unternehmen, sich darum zu bemühen, dass ihre Rohstoffversorgung sicherer wird. Die Bundesregierung habe aber den Handlungsdruck zur sicheren Versorgung mit Rohstoffen erkannt und für Frühjahr 2023 einen Aktionsplan angekündigt. Die EU wird im nächsten Jahr ein Gesetz zu kritischen Rohstoffen verabschieden. 

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