Energiepreisdeckel jetzt!

Der Auftakt beim Zukunftstag der Gießerei-Industrie 2022.

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Am 14. September 2022 fand im Haus der Gießerei-Industrie in Düsseldorf der zweite Zukunftstag der Gießerei-Industrie statt. Die Veranstaltung konnte auch digital via Live-Stream verfolgt werden. Auf der Agenda standen die zentralen Themen der Branche, die gleichzeitig die großen Themen des Landes sind: Energiewende, Klimaschutz, Fachkräftemangel, die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Zum Auftakt des Zukunftstages begrüßte BDG-Hauptgeschäftsführer Max Schumacher die Teilnehmer, indem er die Bedeutung der Gießerei-Industrie für alle Wirtschaftszweige betonte. Insbesondere sei die Energiewende zu Windkraft und Photovoltaik ohne Gießerei und deren Beschäftigten nicht darstellbar. Mit Blick auf die aktuelle Lage am Energiemarkt forderte er alle Gießer auf, ihre Wahlkreispolitiker anzusprechen, um auf die Position der Branche aufmerksam zu machen: "Wir brauchen einen Energiepreisdeckel – jetzt."

Clemens Küpper, BDG-Präsident, blickte in seiner Eröffnungsansprache zurück auf die Imagekampagne der letzten Jahre. "Es hat sich gelohnt", zieht er das Fazit. "Wir sind sichtbar. Die Gemeinschaft und die Politiker verstehen, dass das, was die Gießerei-Industrie tut, relevant ist für ein sicheres und gutes Leben in diesem Land." Es sei angekommen, dass Gießereiprodukte nicht nur die Zukunft sichern, sondern diese überhaupt erst ermöglichen.

"Es ist daher von daher allergrößter Priorität, dass man uns weiterhin und noch besser zuhört. Wir können einschätzen, ob und mit welchen Mengen Gas wir noch produzieren können und wann unsere Anlagen Schaden nehmen." Es müsse alles getan werden, das Abschalten von Gas und allgemein von Energie für die Gießereiindustrie zu verhindern. Nach dem letzten Entlastungspaket könne aber der Eindruck, dass das Wirtschaftsministerium pragmatisch an der Lösung der aktuellen Herausforderungen arbeitet, nicht mehr so stehenbleiben. 

Der Gießereiverband hält die Gasumlage für "die beste der schlechtesten Lösungen" und ist erneut enttäuscht, dass es eine breite öffentliche Debatte um die Entlastung der Endverbraucher geht, in der die Industrie jedoch überhaupt nicht vorkommt. Als mögliche Lösung schlägt der Verband vor, die Gasumlage aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren und sie dann später gestaffelt zurückzahlen zu lassen. 

Küpper erläutert, dass die derzeitige Lage an den Energiemärkten dazu führt, dass Gusspreise um 20 bis 50 Prozent steigen. Wenn Gießereikunden dies nicht mittragen, wird die Branche nicht mehr liefern können und von Insolvenz bedroht sein. Diese Situation vergifte langjährige Partnerschaften. Second-Source-Länder, die bisher als Lieferanten für Guss gemieden wurden, würden nun zu First-Source-Ländern. Er ruft daher die international agierenden Großkunden der Gießereibetriebe auf, "ebenfalls auf die politische Seite zuzugehen und zu erklären, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit geschwächt wird, weil die Lieferkette aufgrund politischer Entscheidungen gehemmt wird." 

Abschließend betont er, dass es darauf ankomme, die Diskussion sachlich auf Basis von Erkenntnis und Wissen weiterzuführen und den Verband stark und leistungsfähig zu halten.

In einem anschließenden Impulsvortrag stellt Angela Erwin, Landesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion NRW, fest: "Der Weg zur Klimaneutralität wurde von der Gießereibranche bemerkenswert deutlich eingeschlagen." Wie bereits in der Studie Guss 2035 hervorgehoben wurde, kommt dem Strom hierbei jedoch eine überragende Bedeutung zu. Über Maßnahmen zur Sicherung der Stromversorgung sollte in der aktuellen Krisensituation daher ideologiefrei entschieden werden. Sie vertritt die Position, dass die Kernkraftwerke vorerst am Netz zu halten sind und die Gasumlage aufgehoben werden sollte.

www.guss.de