Folgen eines Gas-Lieferstopps für die deutsche Industrie 

Eine Analyse im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.

Studie
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Betriebswirtschaft und Management
Bei einem völligen Lieferstopp von russischem Erdgas ab dem 1. Juli 2022 wäre der Gasbedarf der Industrie nicht einmal zur Hälfte gedeckt. Besonders betroffen sind die Branchen Glas/Glaswaren und Roheisen/Stahl.

In der von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw) bei der Prognos AG in Auftrag gegebenen Studie wurden sowohl die direkt bei den Gasabnehmern anfallenden Effekte als auch die Wirkungen in vor- und nachgelagerten Branchen bewertet. Konkret untersucht die vorliegende Studie ein Szenario, in dem russische Gaslieferungen in die EU ab 01. Juli 2022 ausbleiben. 

Vorgehensweise

Zunächst wurde die Versorgungslücke gegenüber dem Status quo für den Fall berechnet, dass russische Gaslieferungen ab dem 1. Juli 2022 ausbleiben. Im Anschluss wurde der nach Branchen differenzierte Gasverbrauch dargestellt und die Einspar- bzw. Substitutionsmöglichkeiten der energieintensivsten Produktionsprozesse aufgezeigt. Auf Grundlage dieser Daten wurde die Gasbilanz für das Jahr 2022 im Falle einer Lieferunterbrechung ermittelt. 

Im Anschluss an diese energiewirtschaftliche Analyse wurden die Folgen für die deutsche Volkswirtschaft abgeschätzt. Zum einen wurden die direkt bei den betroffenen Branchen anfallenden Effekte wie auch vorgelagerte (Vorleistungsgüter) und nachgelagerte Effekte diskutiert und diese zusätzlich auf den Wirtschaftsstandort Bayern abgestellt.

Statistische Ausgangsbasis der ökonomischen Berechnungen bildete die aktuelle Input-Output-Tabelle für die deutsche Volkswirtschaft des Statistischen Bundesamtes. Die Tabelle gibt wieder, in welchem Umfang die Produktionsbereiche Güter und Dienstleistungen als Vorleistungen für ihre eigene Produktion einsetzen und wofür die Produktion verwendet wird.

Ergebnisse

Bei der ausschließlichen Betrachtung des zweiten Halbjahres 2022 ist der Bedarf geschützter Kunden (private Haushalte, soziale Dienste, Fernwärmeanlagen) im Mittel mit rund 93 Prozent gedeckt. Der angenommene Gasbedarf der nicht geschützten Kunden (das sind vor allem mittelgroße und große Industriekunden) ist weniger als zur Hälfte gedeckt. In Summe würden 154 TWh Erdgas im Jahr 2022 fehlen, also in etwa die Hälfte des Erdgasbedarfs der deutschen Industrie, wobei bereits Einspar- und Substitutionsmechanismen in einem Ausmaß von über 100 TWh  für das zweite Halbjahr einberechnet sind.

Aufgrund der hohen direkten Betroffenheit ist insbesondere in den Branchen Glas/Glaswaren und Roheisen/Stahl ein Einbruch der Wertschöpfung um fast 50 Prozent zu erwarten. In Branchen wie Keramik, Nahrungsmittel, Druckerei, Chemie und Textilien liegen die Wertschöpfungsverluste bei über 30 Prozent. 

Die übrigen Branchen sind weniger stark direkt betroffen und können den Modellrechnungen zufolge auch im Fall einer Lieferunterbrechung mindestens 80 Prozent ihrer Produktion aufrechterhalten. Hierzu zählen unter anderem die Kfz-Produktion (-17 Prozent) und der Maschinenbau (-6 Prozent).

Rechnerisch sind etwa 5,6 Millionen Arbeitsplätze direkt, vorgelagert oder nachgelagert von diesen Wertschöpfungsverlusten betroffen. Das Szenario ergibt in Summe negative Effekte in Höhe von 12,7 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung.

www.vbw-bayern.de

Mehr Informationen

Die Studie ist frei zugänglich und steht kostenlos zum Download bereit:

https://www.vbw-bayern.de/vbw_Studie_Folgen_Lieferunterbrechung_von_russischem_Erdgas_Juni_2022.pdf

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