Gasverbrauch senken ohne Produktion zu drosseln?

Spielraum für Einsparungen ohne Produktionsrückgang ist zunehmend ausgereizt

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Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe ist es bisher gelungen, Erdgas mit nur geringen Einschränkungen der Produktion einzusparen. Das wird allerdings in der Zukunft schwerer.

Laut einer aktuellen Umfrage des ifo-Instituts nutzen 59 Prozent der Firmen Erdgas für ihre Produktionsprozesse. Davon haben im vergangenen halben Jahr 75 Prozent Gas gespart, ohne die Produktion zu drosseln. 

„Dieser hohe Anteil ist erfreulich, allerdings sind die Unterschiede zwischen den Branchen erheblich“, kommentiert Karen Pittel, Leiterin des ifo-Zentrums für Energie, Klima und Ressourcen.  

Die Zahl der Firmen, die auch in den kommenden sechs Monaten ihren Gasverbrauch bei gleichem Level in der Fertigung weiter senken können, hat sich nun halbiert. Hingegen geben 41,4 Prozent der Industriefirmen an, Gassparen sei nur noch möglich, wenn gleichzeitig die Produktion sinke. Dies betrifft insbesondere die Branche Glas/Keramik (69 Prozent), Pharmaindustrie (67 Prozent) und Chemie (57 Prozent). Bei 12,3 Prozent aller Industriefirmen ist eine weitere Senkung des Gasverbrauchs nur noch möglich, wenn die Herstellung vollständig gestoppt wird. Das betrifft die Nahrungs- und Futtermittelbranche (27 Prozent) sowie Hersteller von Druck-Erzeugnissen und die Hersteller von Metallprodukten (je 24 Prozent).

Besonders viele Unternehmen haben bereits ihre Produktion gedrosselt bei Druckerzeugnissen (40 Prozent), in der Metallerzeugung und -bearbeitung (35) und bei den Herstellern von Textilien (25). In der Chemie sind es 17,3 Prozent der Firmen und bei Glas/Keramik 14 Prozent.

 

Stimmung in der chemischen Industrie fällt weiter
Der Auftragsbestand und die Nachfrage in der Chemiebranche sind weiterhin rückläufig. „Die hohen Materialkosten können nicht mehr ohne weiteres auf die Verkaufspreise abgewälzt werden und belasten die Ertragslage in der Chemischen Industrie“, sagt Anna Wolf, Branchenexpertin am ifo Institut.

Immer mehr Unternehmen bewerten ihre Ertragslage als schlecht. Die aktuelle Geschäftslage in der Chemischen Industrie fiel im Oktober auf minus 19,9 Punkte, nach minus 11,7 im September. „Die Chemische Industrie kann sich dem angespannten wirtschaftlichen Umfeld nicht entziehen“, kommentiert Wolf.

 Für das zweite Halbjahr 2022 fiel der Wert auf minus 28,5 Punkte und ist so schlecht wie in der Corona-Pandemie 2020. Auch die Versorgung mit Vorprodukten blieb weiterhin kritisch, sagen 49,1 Prozent der Firmen.

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