Gefährliche Maschinenmanipulationen

Vorgesetzte wissen häufig davon, dass Schutzeinrichtungen an Maschinen außer Kraft gesetzt sind

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Maschinenmanipulation ist in vielen Betrieben an der Tagesordnung und führt immer wieder zu schweren, oft tödlichen Unfällen mit erheblichen Folgekosten für die Wirtschaft und die Unfallversicherung. 

Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) hat die Ergebnisse einer umfangreichen Studie zu den Hintergründen des Problems veröffentlicht. Unter den Befragten befanden sich mehr als 800 betriebliche Arbeitsschutzfachleute, mehrheitlich Fachkräfte für Arbeitssicherheit, aber auch Führungskräfte. 

Laut Schätzungen sind jedes Jahr etwa 10.000 teils tödliche Arbeitsunfälle auf manipulierte Schutzeinrichtungen an Maschinen zurückzuführen. Diese Manipulationen erfolgen, da Schutzeinrichtungen als störend für den Arbeitsablauf empfunden werden. Die erschreckende Erkenntnis der Untersuchung lautet, dass Vorgesetzte häufig davon wissen, dass Schutzeinrichtungen außer Kraft gesetzt sind. Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, dass Vorgesetzte Maschinenmanipulation in mindestens einem Fall toleriert hätten. 

"Die Antworten aus der Praxis zeigen, dass mehr als ein Viertel aller Maschinen manipuliert werden, teils sogar dauerhaft", sagt Stefan Otto, Experte für Maschinensicherheit im IFA. Was noch viel erschreckender sei: "Die Hälfte der Befragten gab an, dass die Vorgesetzten von Manipulationen an den Maschinen wüssten. Wenn Führungskräfte sich so verhalten, nehmen sie damit in Kauf, dass ihre Beschäftigten Leib und Leben riskieren."

Die Befragungsergebnisse belegen einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Duldung durch die Leitung einerseits und der Häufigkeit von Manipulationen und daraus resultierenden Unfällen andererseits. Führungsverhalten ist demzufolge ein zentraler Hebel, um das Unfallgeschehen nachhaltig zu beeinflussen.

Zwei Drittel der Befragten halten ein eindeutiges Bekenntnis der Geschäftsführung gegen Manipulation für ein besonders wirksames Mittel, diese zu verhindern und damit Unfällen vorzubeugen. Dazu gehört auch, bereits bei der Beschaffung darauf zu achten, dass Maschinen einen geringen Manipulationsanreiz bieten.

"Solange es nicht gelingt, nutzungsfreundliche, manipulationssichere Schutzeinrichtungen an alle Arbeitsplätze zu bringen, sind die Vorgesetzten der beste Schutz vor Manipulation.", so Stefan Otto.