Herausforderung Nachwuchsförderung

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Ausbildungsangebote, Nachwuchsförderung und Karrierechancen: Die GIESSEREI PRAXIS im Gespräch mit Klaus Mager, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Fritz Winter Eisengießerei GmbH & Co. KG.

GP: Herr Mager, welche Resonanz finden Ihre Angebote für Praktika, Berufsausbildung und duales Studium in der Region Mittelhessen?

Klaus Mager: Da müssen wir sagen, dass wir wie jedes andere Unternehmen in Deutschland und Europa während und nach der Pandemie schwierige Zeiten erlebt haben. Wir sind mittlerweile aber auch so weit, dass wir dieses Jahr für unsere Ausbildungs- und Praktikantenstellen wieder weit über zweihundert Bewerbungen hatten. Momentan machen wir uns da weniger Sorgen. Wir haben uns natürlich verstärkt mit dem Thema befasst, denn es ist die Quelle, aus der wir schöpfen. Als Industrie brauchen wir die jungen Leute, die sich über mehrere Jahre hinweg bei uns ausbilden lassen und wir haben es geschafft, über Social-Media-Kanäle, die wir ganz neu ins Leben gerufen haben und über die gezielte Ansprache in Schulen und auf Messen, entsprechende Resonanz auf dem Markt zu schaffen und die junge Leute für unser Arbeitsumfeld, für die Gießerei, zu interessieren. Es hat sehr viel mit dem Thema Kommunikation zu tun.
 

GP: Wie vermitteln Sie jungen Menschen die Attraktivität der Arbeiten in einer modernen Gießerei?

Klaus Mager: Es ist sicherlich so, dass die Gießerei von außen betrachtet erst einmal ein ganz besonderer Sektor ist. Für viele Leute stellen wir die sogenannte "alte" Industrie dar, womit man zunächst nicht in Verbindung gebracht werden will. Dennoch ist unser Industriezweig nicht nur für junge Leute interessant, sondern auch für Quereinsteiger, die noch mal richtig Lust haben, durchzustarten, etwas anderes zu machen und zu bewegen. Und so „alt“ ist die Industrie gar nicht. Wenn wir uns hier bei Fritz Winter umgucken, stellen wir relativ schnell fest – insbesondere mit Blick auf die Produkte – dass wir hier in der Hochtechnologie unterwegs sind. Wir konstruieren, wir berechnen, wir bauen Prototypen und sind mit unseren Partnern der Automobilindustrie ganz eng verzahnt, um neue High-Tech-Produkte zu entwickeln. Unsere Motorenblöcke werden von unseren Kunden weltweit in PKWs, Agrar- und Nutzfahrzeugen eingesetzt und unsere Bremsscheiben finden Sie ebenfalls global in zahlreichen Verbrenner-, Hybrid- und Elektrofahrzeugen. 
 

GP: Welche Qualifikationen und Stärken sind Ihnen wichtig, wenn Sie eine junge Kraft ins Team holen?

Klaus Mager: Die Qualifikation spielt natürlich immer eine Rolle, das ist gar keine Frage. Die Frage bei der Qualifikation ist aber auch immer, was steckt hinter der Qualifikation im Sinne von: Interessiert mich das wirklich? Ein Slogan bei uns in der Gießerei lautet: „Passion on fire“. „Brennen Sie dafür? Interessiert Sie das wirklich, wollen Sie hier arbeiten?“ Wenn Sie das mit einem klaren "Ja" beantworten können, sind neben der Qualifikation auch der Wunsch und der Wille da, bei uns einzusteigen. Von den Azubis bis hin zu den Quereinsteigern, zu denen ja auch ich gehöre, will jeder diese Branche mit neuem Leben und Ideen füllen und sich hoffentlich langfristig dafür einsetzen.
 

GP: Glauben Sie, dass Frauen in einer Gießerei die gleichen Karrierechancen haben wie Männer?

Klaus Mager: Ja, selbstverständlich. Es ist uns bei Fritz Winter ein großes Anliegen, dass jede und jeder sowohl die gleichen Einstiegschancen als auch die gleichen Perspektiven hat. In welche Richtung man sich dann entwickeln möchte, ist ja zumeist eine subjektive Angelegenheit – möchte man ins Management wechseln, möchte man eher in der Technik verbleiben oder doch lieber in der Entwicklung aufgehen, bei uns stehen viele Türen offen. Das hängt nicht vom Geschlecht ab, sondern zum Beispiel davon, welches duale Studium man nach einer erfolgreichen Ausbildung noch einschlägt. Auszubildende haben die Möglichkeit, gleich nach der Ausbildungszeit – drei Jahre in der Regel – noch ein duales Studium anzuschließen. Das ist der Weg, den viele gehen wollen und den wir bei Fritz Winter unterstützen. Es soll also möglichst flexibel und ja, wenn man so will, auch nachhaltig sein. Das ist ja, glaube ich, auch so ein bisschen auch das Schlagwort für die jungen Leute: Nachhaltigkeit – was kommt eigentlich nach meiner Ausbildung, wer begleitet mich, welche beruflichen Perspektiven habe ich mittelfristig?
 

GP: Welchen Tipp haben Sie für junge Leute, die am Anfang ihrer Karriere stehen und es an die Spitze eines Unternehmens schaffen wollen?

Klaus Mager: Es ist schwierig, da einen Tipp zu geben, aber ich glaube, man muss neben Flexibilität auch Offenheit mitbringen. Gerade als junger Mensch darf man sich da, wie man so schön sagt, auch nicht ins Bockshorn jagen lassen und vielleicht zu viele Meinungen auf einmal einholen. Man muss sich bei der Karriereplanung selbst hinterfragen, ob die eigenen Ideen und Vorstellungen realistisch sind. Für eine Branche in der Metallurgie muss man brennen, die richtige Einstellung mitbringen. Aber die Möglichkeiten sind unglaublich vielfältig. Sie können es wirklich von der Ausbildung bis hin ins höchste Management, bis in die Geschäftsführung schaffen, das ist bei uns durchaus möglich. Vereinfacht gesagt: Man muss sich letzten Endes sicher sein, will ich das oder will ich das nicht, ist das meine Perspektive, ist das meine Berufung, kann ich mich in dieser Branche zurechtfinden. Es ist wirklich eine sehr persönliche Entscheidung. Es gibt so viele Branchen, so viel Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Doch wer sich für die Eisengießerei entscheidet, der trifft eine sehr bewusste Entscheidung – und wenn man einmal drin ist, dann möchte man da auch nicht mehr raus.
 

GP: Und was begeistert Sie speziell an Ihrer Firma und Ihrem Arbeitsumfeld?

Klaus Mager: Ich war vorher über zwanzig Jahre in der Luftfahrtbranche tätig, das ist natürlich auch eine ganz unglaubliche Industrie, ohne jeden Zweifel. Was mich letzten Endes davon überzeugt hatte, nochmal einen Wechsel mit knapp 50 Jahren zu wagen, das war einfach ein Interview. Ich bekam eine Anfrage, ob ich mir nicht vorstellen könne, in die Geschäftsführung bei Fritz Winter einzusteigen. Und was mir dort dann entgegenschlug an Branchenbegeisterung und offenen Gesprächen, bis zum Top-Level und bis zum Gesellschafter, der selbst bei den Gesprächen zugegen war, das hat mir dann gezeigt, dass die Eisengießerei eine ganz eigene Welt ist, in der man gestalterisch tätig werden kann. Gemessen an den Perspektiven, die diese Position bietet, habe ich dann, ich würde mal sagen, 24 Stunden lang überlegt und gesagt: Ich mache jetzt mal was Neues, ich gehe in die Gießerei. Die Branche sticht natürlich ganz besonders hervor. Erstens gibt es gar nicht mehr so viele Gießereien. Und zweitens, wenn Sie sich angucken, wer alles bei uns arbeitet, dann werden Sie sehr schnell feststellen, es sind nicht nur junge Leute, die begeistert ihrer Arbeit nachgehen, sondern eben auch die älteren Semester, die teilweise schon mehr als vierzig Jahre den Job des Gießereimeisters machen und es immer noch mit großer Begeisterung tun. Das habe ich in keiner anderen Branche kennengelernt. Und das ist glaube ich das, was letzten Endes unsere Branche, unsere Gießerei, insbesondere Fritz Winter ausmacht. Die Menschlichkeit, die Loyalität, der Umgang miteinander. Wir haben bei Fritz Winter schon etwas, von dem man sagen kann, das ist waschechte Tradition. Tradition bei uns ist unweigerlich mit dem Thema Zukunft verbunden. Das Wissen in der Gießerei wuchs und wächst mit der Zeit und mit dem Ausprobieren. Wenn Sie über neunzig Eisen-Legierungen zur Verfügung haben und den Auftrag haben, daraus die bestmögliche Bremsscheibe zu gestalten, dann müssen Sie viel tüfteln. Es geht bei der Technologie los. Und am Ende ist es der Gießereimeister, der sagt: "Ja mit diesem Gussverfahren, mit dieser Legierung, bekommen wir das am besten hin." Das ist das Geheimnis unseres Erfolgs: Die Tradition mit der Zukunft zu verbinden. Das werden sie auch von unseren Kollegen hören, die seit dreißig oder vierzig Jahren dabei sind. Die schwören darauf, dass Fritz Winter ihnen das richtige Umfeld bietet, sonst wären sie ja nicht mehr dabei. Und das ist gerade für die jungen Leute genau das Pflaster, auf dem sie wachsen können, wenn sie erkennen: „Mensch, von dem kann ich was lernen.“
 

GP: Herr Mager, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Das Interview führte Frau Vivian Westphal.

 

Über Klaus Mager:
Klaus Mager ist seit knapp zwei Jahren in der Fritz Winter Eisengießerei als Geschäftsführer und Arbeitsdirektor tätig. Das Tätigkeitsfeld als Arbeitsdirektor umfasst Personalangelegenheiten, dazu das Thema Kommunikation, die Arbeitssicherheit und die Arbeitsmedizin. Klaus Mager hat mehr als 20 Jahre internationale HR-Führungserfahrung in der Luft- und Raumfahrt und der Automobilindustrie. Er ist Experte u.a. in den Bereichen Organisationsentwicklung, Führungskräfte- und Talententwicklung, Change Management und Transformation und Mitarbeiterbeziehungen.