Konjunkturelle Aussichten sind vorsichtig positiv 

Die deutsche Wirtschaft schöpft zum Weihnachtsfest Hoffnung.

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Die Forschungsinstitute sehen zwar eine schwache Wirtschaftslage, eine tiefe Rezession wird jedoch immer unwahrscheinlicher. Die massiven Risiken bleiben jedoch weiterhin bestehen.

DIW
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) erwartet im Winterhalbjahr einen leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung, jedoch wird eine schwere Rezession zunehmend unwahrscheinlicher. Die Gasversorgung ist stabil und die Preise für Energie gingen zuletzt wieder etwas zurück. 

„Wir dürfen deutlich weniger pessimistisch in das neue Jahr blicken als noch im Spätsommer erwartet“, fasst DIW-Konjunkturexperte Guido Baldi zusammen. „Für allzu großen Optimismus ist es dennoch zu früh. Dafür sind insbesondere die globalen Risiken weiterhin hoch – nicht nur hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Krieges in der Ukraine.“ Die geldpolitische Straffung der Europäischen Zentralbank, die die hohe Inflation bremsen soll, wird die Konjunktur im kommenden Jahr wohl etwas dämpfen und die deutsche Wirtschaft durch die abgekühlte Weltwirtschaft immer mehr belastet. 

ifo
Das ifo Institut vermeldet für den Dezember einen steigenden Geschäftsklimaindex. Zuvor war der Lage-Indikator sechsmal in Folge gefallen. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft habe sich merklich aufgehellt und die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage wieder besser. Auch die Erwartungen verbesserten sich merklich, vor allem im verarbeitenden Gewerbe stieg der Erwartungsindikator deutlich. Die Unternehmen waren zudem zufriedener mit den laufenden Geschäften, jedoch war der Auftragsbestand rückläufig. Auch die Geschäftslage der deutschen Autohersteller und ihrer Zulieferer hat sich im November etwas verbessert. 

IWH
Das Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) bezeichnet den Ausblick auf die internationale Konjunktur im Jahr 2023 als "verschattet". Die Pandemielage in China ist unübersichtlich, und ob Europa in diesem und im nächsten Winter ausreichend mit Energie versorgt sein wird, ist ungewiss. Die Leitzinsen werden im Jahr 2023 wohl weiter steigen, allerdings scheinen die Anspannung der Lieferketten etwas nachzulassen. In den USA ist die Inflation etwas zurückgegangen, was die Börse mit steigenden Aktienkursen quittiert hat. "Das sind Signale dafür, dass es im Jahr 2023 statt zu einer weltwirtschaftlichen Rezession lediglich zu einem Abschwung kommt." so die Autoren des IWH.

Das BIP dürfte den Winter über leicht sinken und 2023 insgesamt stagnieren. Die Inflation geht nach 7,8% im Jahr 2022 auf 6,5% im Jahr 2023 zurück.

IfW
"Das Konjunkturbild hat sich nun leicht aufgehellt, aber für Entwarnung ist es noch zu früh“, so Stefan Kooths, Vizepräsident und Konjunkturchef des Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel). Demnach kann die Wirtschaft 2023 mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent rechnen, statt einem Minus von 0,7 Prozent. Die Inflation dürfte 2023 bei 5,4 Prozent liegen (bislang: 8,7 Prozent). 

Die massiven Risiken bleiben weiterhin bestehen. „Deutschlands wirtschaftliche Aussichten stehen auf sehr unsicherem Grund, denn die Risiken in der Energieversorgung sind weiterhin enorm. Eine Gasmangellage im nächsten Winter ist keineswegs vom Tisch, Mengen und Preise der Flüssiggasversorgung im kommenden Jahr sind noch unklar."

Kooths kritisiert, dass die niedrigere Inflationsrate über massive Subventionen teuer erkauft, wird. „Die Krise lässt sich nicht durch Dauersubventionen überbrücken, sondern muss an der Wurzel gepackt werden. Hierfür braucht es eine neue energiepolitische Strategie, die fundamental das Energieangebot stärkt und nicht fortwährend die Risse mit immer mehr Schulden zukleistert.“

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