Maschinenexport wächst zweistellig – Lieferketten bleiben stark angespannt

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Der Export von Maschinen und Anlagen aus Deutschland hat im zweiten Quartal um 23,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Die Engpässe in der Logistik erhöhen aber den Druck auf die angespannten Lieferketten.

Die Maschinenexporte aus Deutschland haben im zweiten Quartal weiter an Fahrt gewonnen: Sie stiegen im Vorjahresvergleich um 23,5 Prozent auf 44,5 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Zahlen mitteilte. Im ersten Quartal lagen die Ausfuhren lediglich um 0,8 Prozent über dem Vorjahr. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Maschinenexporte im zweiten Quartal 2020 - dem Höhepunkt der Corona-Pandemie - um 21,5 Prozent zurückgingen. Im ersten Quartal 2020 lag der Rückgang nur bei 5 Prozent. Insofern ist der starke Anstieg im zweiten Quartal des laufenden Jahres auch auf eine niedrigere Vorjahresbasis zurückzuführen. Unterm Strich lagen die Maschinenausfuhren im ersten Halbjahr dieses Jahres 11,2 Prozent über denen des Vorjahres.

Die Versorgung mit Vorprodukten wird zum Engpass. „Das kräftige Comeback der Maschinenexporte in nahezu alle Regionen der Welt ist sehr erfreulich“, sagt VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. „Doch das positive Bild darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der weitere Aufschwung im Maschinenbau aufgrund von Materialmangel deutlich erschwert wird“, fügt Wortmann hinzu. Besonders die Versorgung mit Vorprodukten aus der Elektronik- und Stahlindustrie ist problematisch und sorgt für angespannte Lieferketten, wie aus einer Umfrage unter VDMA-Mitgliedern Anfang April hervorging. „Und die Situation hat sich seitdem weiter verschlechtert. Der Druck auf die Lieferketten ist hoch und wird zusätzlich durch Logistikengpässe verschärft. So sorgte ein einzelner Corona-Fall bei einem Hafenmitarbeiter in China im Juni bei Shenzhen und im August in Ningbo für eine Teilsperrung des viert- beziehungsweise drittgrößten Hafens der Welt. Das wiederum sorgt für eine hohe Beeinträchtigung des internationalen Warenverkehrs, erhöhte Lieferzeiten und einen Anstieg der Frachtkosten“, erläutert der VDMA-Konjunkturexperte. „Die Frachtraten zwischen China und Europa haben sich im bisherigen Jahresverlauf ohnehin schon mehr als versechsfacht.“

Exportwachstum nach China hält an

Die Maschinenexporte in die beiden wichtigsten Einzelmärkte USA und China wiesen zuletzt eine gegenläufige Dynamik auf: Im zweiten Quartal wurden 32,4 Prozent mehr Maschinen und Anlagen aus Deutschland in die USA exportiert, während das Vorjahresergebnis im ersten Quartal noch um 6,6 Prozent verfehlt wurde. In China lagen die Maschinenexporte aus Deutschland im zweiten Quartal 9,9 Prozent und im ersten Quartal sogar 20,4 Prozent über dem Vorjahreswert. „Die USA und China waren vor einem Jahr unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen. Nach einem kurzen Dämpfer zu Beginn des vergangenen Jahres sorgte das schnelle Hochfahren der Industrieproduktion für eine rasche Erholung der Maschinenexporte dorthin. Bereits im ersten Quartal 2021 wurde das Vorkrisenniveau übertroffen“, sagt Wortmann. „Das Abflachen der Wachstumsdynamik war auf diesem Niveau zu erwarten.“

In den USA dagegen setzte die Pandemie etwas später ein. Hier wurde der stärkste Rückgang im zweiten Quartal 2020 mit minus 22,6 Prozent verzeichnet. Doch auch die Maschinenexporte in die USA dürften in naher Zukunft ihr Vorkrisenniveau übertreffen, denn das milliardenschwere Konjunkturpaket sorgt für Schwung in der amerikanischen Volkswirtschaft. 

Erfolgreiche Impfkampagne in Großbritannien beflügelt Exporte

Im zweiten Quartal lagen die gesamten Maschinenexporte aus Deutschland in die EU-27 um 26,1 Prozent über ihrem Vorjahresniveau. Das Exportgeschäft mit den drei wichtigsten Abnehmern aus der EU-27, Frankreich (plus 28,8 Prozent), Italien (plus 39,3 Prozent) und den Niederlanden (plus 14,0 Prozent) wuchs jeweils zweistellig – teilweise auch bedingt durch hohe Rückgänge im vergangenen Jahr. Ein hohes Exportwachstum verzeichneten ebenfalls die Türkei (plus 46,6 Prozent) und das Vereinigte Königreich (plus 68,1 Prozent). „In der Türkei entlädt sich der angelaufene Investitionsstau, der sich durch die Währungskrise aus 2018 und die Corona-Krise aufgebaut hat. Wie lange die positive Entwicklung anhält, bleibt abzuwarten, denn die Lira befindet sich weiter im Abwärtstrend, wodurch die Importe für die Türkei teurer werden. Im Vereinigten Königreich ist das öffentliche Leben zuletzt fast zum Normalzustand zurückgekehrt, was einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung begünstigt. Davon profitieren letztlich auch Maschinenexporteure“, sagt Wortmann. Südkorea ist das einzige Land unter den Top-20 Absatzländern mit einem Rückgang der Maschinenexporte aus Deutschland (minus 6,1 Prozent).

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