Mehr Energieeffizienz bei der Verarbeitung von Aluminium

Aluminium und Aluminiumlegierungen
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CO2-Emissionen
Der Soester Aluminiumverarbeiter HAI senkt mit einem neuen Verfahren zur Erwärmung der Aluminiumbolzen den Verbrauch von Prozessenergie signifikant. Unter anderem kann der Erdgasverbrauch um 45 Prozent verringert werden.

Das Unternehmen HAI Extrusion GmbH, größtes Tochterunternehmen der Hammerer Aluminium Industries (HAI), zählt 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ist Teil der in Österreich ansässigen HAI-Gruppe, die über die gesamte Wertschöpfungskette - von der Aufbereitung von Aluminiumschrotten in Gießereien über die Verarbeitung in Presswerken bis hin zur Herstellung von Aluminiumkomponenten aktiv ist. Ziel des Unternehmens war es, den Prozessenergieverbrauch am Standort Soest deutlich zu senken. Herzstück der ressourcenschonenden Maßnahmen ist dabei ein neues Verfahren zur effektiveren Erwärmung der Aluminiumbolzen. Die Finanzierungsberatung der Duisburger Effizienz-Agentur NRW unterstützte das Unternehmen bei der Beantragung von Fördermitteln für die Investition in dieses klimaschonende Verfahren.

Effektivere Nutzung der Energie
Im Gegensatz zur bis dahin verwendeten konventionellen Vorwärmung der Aluminiumbolzen über den Luftstrom werden bei der realisierten Lösung die Abgase durch einen Wärmetauscher geführt und dort die Wärme über eine große Fläche an Wasser abgegeben. Mit dem so erhitzten Wasser werden die Bolzen berieselt. Durch den signifikant höheren Wärmeübergang sorgt die neue Anlage für eine effektivere Vorwärmung. Die Abgase verlassen den Wärmetauscher mit einer Temperatur von ca. 80 bis 100 °C. Damit wird die durch das Gas eingebrachte Energie wesentlich effektiver genutzt als mit konventioneller Technologie. Durch eine moderne Dämmung wurde auch die Effizienz der Heizzone verbessert. Dank der neuen Bolzenschnellerwärmung sinkt der Erdgasverbrauch auf 1.639 MWh pro Jahr, was einer Einsparung von 45 Prozent entspricht. HAI investierte darüber hinaus in weitere Maßnahmen zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz: So werden die Bolzen heute mithilfe einer rein elektrisch betriebenen Warmsäge getrennt. Das verbessert die Schnittqualität, vermeidet Ausschuss und spart Energie gegenüber der hydraulischen Lösung.

Geringere technische Rückschnitte
Vor dem Einschleusen der Bolzen in den Ofen werden diese heute durch eine Hochdruckwaschanlage geschleust. Hier werden Schmutzpartikel wie Staub, anhaftender Dreck, Salze usw. von der Oberfläche entfernt und somit nicht mehr in den Produktionsprozess eingebracht, sodass technische Rückschnitte geringer ausfallen. Diese Rückschnitte müssten ansonsten die gesamte Produktionskette vom Einschmelzen, Gießen und Homogenisieren der Bolzen über den Transport bis hin zum Aufheizen und Pressen erneut durchlaufen. Die Vorwäsche senkte die Rücklaufquote um ca. zehn Prozent, womit das Unternehmen zusätzlich 616 MWh Gas und 169 MWh Strom einspart.

HAI nutzte im Vorfeld der Umsetzung die Unterstützung der Finanzierungsberatung der Effizienz-Agentur NRW zur Antragstellung im Förderprogramm „Bundesförderung für Energieeffizienz in der Wirtschaft“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Das Vorhaben wurde mit Mitteln in Höhe von ca. 223.000 Euro gefördert. Der Projektabschluss erfolgte 2021. Insgesamt investierte das Unternehmen über 1.500.000 Euro in die Maßnahme.

Effizienz-Agentur NRW
Die Effizienz-Agentur NRW (EFA) wurde 1998 auf Initiative des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums gegründet, um mittelständischen Unternehmen in NRW Impulse für ein ressourceneffizientes Wirtschaften zu geben. Das Leistungsangebot umfasst die Ressourceneffizienz- und Finanzierungsberatung sowie Veranstaltungen und Schulungen. Aktuell beschäftigt die EFA 31 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Duisburg und in acht Regionalbüros in Aachen, in Bielefeld (Region Ostwestfalen-Lippe), in Münster, in Kempen (Region Niederrhein), in Solingen (Region Bergisches Land), in Bonn (Region Rheinland) sowie in Südwestfalen an den Standorten Siegen und Werl.

www.ressourceneffizienz.de

Die HAI-Gruppe
Hammerer Aluminium Industries (HAI) beschäftigt 1.800 MitarbeiterInnen. Das 2007 gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz im oberösterreichischen Ranshofen sowie sieben weitere Standorte in Deutschland, Rumänien und Polen. Für 2021 prognostiziert HAI in den drei Produktionsbereichen Casting (Gießerei), Extrusion (Strangpressen) und Processing (mechanische Weiterverarbeitung) einen Umsatz von rund 570 Mio. Euro. Die Produkte der HAI- Gruppe findet man sowohl im Baubereich als auch in der Automobil- und Transporttechnik, in der Elektrotechnik sowie im Maschinen- und Anlagenbau.

HAI Extrusion Germany ist mit 350 MitarbeiterInnen das größte Tochterunternehmen der HAI-Gruppe und fertigt am Standort Soest hochwertige Aluminiumprofile mit besonderen Anforderungen an die Materialeigenschaften. Beliefert werden vor allen Kunden im Transportbereich (E-Mobilität, PKW, Nutzfahrzeuge) und in der Industrie (Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik, Hochleistungskühlkörper)

www.hai-aluminium.com