Mitgliederrundschreiben des BDG

Überlebensfähigkeit der deutschen Gießerei-Industrie muss gesichert werden

Russlandsanktionen
Aus der Branche
Der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie e.V. (BDG) informiert in einem aktuellen Rundschreiben zu den Auswirkungen der Russlandsanktionen auf die deutsche Gießerei-Industrie. Die Branche steht vor Belastungen in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Um die Überlebensfähigkeit der deutschen Gießerei-Industrie zu sichern, ist es notwendig, dass Kunden die Beziehung zu ihren Guss-Lieferanten stärken.

Der BDG verurteilt den Angriffskrieg auf die Ukraine auf das Schärfste und begrüßt die Sanktionen gegen Russland. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die explodierenden Beschaffungskosten bei Rohstoffen den gesamten Industriezweig in seiner Existenz bedrohen. 

Besonders dramatisch ist derzeit die Situation für die Eisen- und Stahlgießereien. Die Lieferungen von Gießereiroheisen, die zu einem Viertel aus Russland stammten, brechen vollumfänglich weg. Da es keine lieferfähigen Alternativen gibt, hat sich der Roheisenpreis inzwischen verdoppelt bis verdreifacht. Als Folge hat sich auch Schrott im Vergleich zum Vorjahr um nahezu 100 % verteuert. Teilweise gibt es überhaupt keine Lieferzusagen mehr. Die Einkaufsentscheidungen der Gießereien basieren zurzeit in großem Maß auf Spekulationen. Für wichtige Rohstoffe wie Aluminium, Nickel, Zink oder Magnesium gelten derzeit Höchstpreise. Bestehende Rahmenverträge zur Lieferung von Materialien sind ausgesetzt und Angebote gelten zunehmend nur noch für Stunden oder sogar Minuten.

Zudem sind die weltweiten Lieferketten, die noch unter den Auswirkungen der Coronapandemie leiden, zusätzlich durch den russischen Angriffskrieg belastet. Schiffe müssen teilweise mehrere Tage bis Wochen vor den Häfen auf ihre Abfertigung warten. Daraus resultieren drastische Verspätungen im Fahrplan, denen mit Umleitungen der Fracht begegnet werden muss. Darüber hinaus zählt die Ukraine zu den bedeutendsten Seefahrernationen weltweit. Da Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren das Land jedoch nicht verlassen dürfen, fehlen den Reedereien nun die Schiffsoffiziere.  

Der Straßentransport, der unter chronischem Fahrermangel leidet, hat seinerseits zusätzlich mit gestiegenen Dieselpreisen zu kämpfen. Dies belastet die Lkw-Frachtraten signifikant. 

Diese Materialengpässe in Verbindung mit den steigende Energiekosten führen in Gießereibetrieben teilweise zu Überlegungen, die Produktion erheblich einzuschränken oder ganz stillzulegen. Es ist zu erwarten, dass die Beschaffungsengpässe von langer Dauer sein werden, da in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist, dass ausgleichende Effekte zum Tragen kommen. 

Daher fordert der BDG Abnehmer und Gießer auf, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und die Beschaffungssituation zu diskutieren. Folgende Aspekte sollten dabei im Mittelpunkt stehen:

  • mögliche Anpassungen des vereinbarten Abliefertermins 
  • mögliche Materialeinsparungen beim Gussteil 
  • muss das Vormaterial sofort gekauft werden 
  • Prognosen zur Preisentwicklung für das Einsatzmaterial 
  • Prognosen zur Materialverfügbarkeit 
  • Bewertung der Alternativen in der Rohstoffbeschaffung

www.guss.de

 

Der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie e. V. (BDG) wurde im Jahr 2008 gegründet. Er vertritt die Interessen von rund 600 deutschen Eisen-, Stahl- und Nichteisen-Metallgießereien mit rund 70.000 Mitarbeitern. Die Gießerei-Industrie ist eine der wichtigsten Zulieferbranchen für den Fahrzeug-, Maschinen- und Anlagenbau. Sitz des Verbandes ist Düsseldorf.

Hier können Sie das Mitgliederrundschreiben herunterladen:

https://www.guss.de/fileadmin/user_upload/bdg_mitgliederrundschreiben_rohstoff-beschaffungskosten_2022_03.pdf