Rückblick, Status Quo und Ausblick zum Druckguss

GIESSEREI PRAXIS 11-12/2021
Druckguss

Die Lage im Druckguss war im Nachgang der Euroguss 2020 durch die Covid-19-Pandemie mit ihren nach wie vor wirksamen Verwerfungen geprägt. Zusätzlich wachsen die Anforderungen der Branche an den politischen Betrieb, nachvollziehbare und belastbare Rahmenbedingungen für die Zukunft, insbesondere für die Nachhaltigkeit zu setzen.

Rückblick
Die Coronakrise hatte in 2020 auf allen Märkten deutliche Spuren hinterlassen. Der Fahrzeugbau, der Hauptabnehmerbereich der Druckgussindustrie, verzeichnete 2020 in der Produktion das niedrigste Volumen seit 45 Jahren mit minus 25 %. Den Abnehmerbereich Maschinenbau traf es nicht so extrem, verzeichnete jedoch mit minus 14 % den stärksten Produktionsrückgang seit der Finanzkrise 2008/2009.

In Summe produzierten die deutschen NE-Metallgießereien im Jahr 2020 mit 850 Tt knapp 25 % weniger als in 2019. Die Fertigung in den Aluminiumgießereien schrumpfte dabei auf ca. 650 Tt um 23 %. Gussteile aus Magnesiumlegierungen lagen im Berichtszeitraum 2020 mit rund 20 Tt rund 10 % unter dem Niveau von 2019, die Produktion von Komponenten aus Zinklegierungen sank um 13 % auf ca. 50 Tt.

Vergleichbare Entwicklungen sind auch in den starken gussproduzierenden europäischen Länder (Italien, Polen, Spanien und Großbritannien) mit jeweils über – 20 % zu sehen. Der weltweite Rückgang der Leichtmetallgussproduktion lag bei -21,7 %.

Status Quo
Im laufenden Jahr 2021 (Zeitraum Januar bis Juli), konnten die deutschen Druckgießereien innerhalb des dominierenden Aluminiumgusses eine Erholung in der Produktion mit einem Plus von 35 % im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 erzielen. Die Werkstoffe Zink liegen mit einem Minus von etwa 11 % und Magnesium mit einem Minus von 11,5 % jedoch im Gegensatz zum Aluminium im zweiten Jahr in Folge deutlich hinter den Produktionswerten von 2020 zurück. In den ersten zwei Quartalen 2021 schien sich der Auftragseingang bis zum Jahresende zu verbessern und die Krise insoweit gebannt.

Die dramatischen Schwierigkeiten, mit denen die gesamte Gießerei-Industrie aktuell zu kämpfen hat, schlagen auch auf den Bereich Druckguss voll durch: Dies sind Materialverknappung, sowie damit einhergehende signifikante Preissteigerungen der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie drastisch steigende Energiekosten.

Speziell der Druckguss leidet außerdem massiv unter der Halbleiterkrise: Fahrzeughersteller drosseln ihre Produktion aufgrund fehlender elektronischer Bauteile bis zur Kurzarbeit und nehmen bestehende Aufträge aus dem Druckguss nicht mehr ab. „Diese Kombination aus Rohstoff- Energie- und Absatzthemen sind eine noch nie dagewesenen Herausforderungen für die Druckgussindustrie“, fasst VDD-Präsident Hartmut Fischer den aktuellen Status Quo zusammen.

Ausblick
Die geschilderten Herausforderungen sind überwiegend Verwerfungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise, teilweise auch den weltweiten Lieferketten und ihrer komplexen Logistik geschuldet. Für den Standort Europa – ganz besonders für Deutschland – wird zusätzlich der Green Deal der EU zur weiteren Herausforderung. Die EU hat den festen Willen zur Klimaneutralität bis 2050 formuliert, Deutschland will dieses Ziel nach dem erklärten Willen der bisherigen Koalition bereits früher, 2045, erreichen.

Diese ambitionierten Ziele müssen sich mit den konkreten industriellen Produktionsbedingungen in Deutschland in eine konsequente Industriepolitik für den industriellen Mittelstand einfügen lassen.

Nach wie vor unbefriedigend beziehungsweise unvollständig gelöst ist das Thema Carbon-Leakage-Verordnung. Zwar ist zum 28. Juli 2021 ist die Carbon-Leakage-Verordnung (BECV) in Kraft getreten. Die Wirtschaftszweige Stahl- (24.52), Leichtmetall- (24.53), Buntmetallgießereien (24.54) werden bei den gelisteten beihilfeberichtigten Branchen bisher nicht erwähnt.

Der Druckguss benötigt klare und vorausschauende Regeln, die Planungssicherheit schaffen.

Hier erwartet die Branche ein ausgeprägteres Verständnis dafür, dass hohe Energiepreise und ambitionierte Klimaziele Kosten und Investitionen für die Branche bedeuten, die sie allein nicht leisten kann. Neben einem wettbewerbsfähigen Industriestrompreis wird die Branche Unterstützung auf dem Weg in die Klimaneutralität benötigen.

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