Siempelkamp Gießerei entwickelt eigenes Strommarkt-Modell

Krefelder Gießerei kämpft an allen Fronten gegen die absurden Energiepreise

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Die beiden Geschäftsführer der Siempelkamp Gießerei, Dr. Geier und Dirk Howe, haben ein eigenes Modell für den Stromhandel entwickelt, wie die WiWo berichtet.

Analog zur Gasumlage solle es eine Stromumlage auf alle Einkäufer im Großhandel geben. Dadurch würden die aktuellen temporären Mehrkosten aus dem Gasimport auf alle Kunden im Großhandel umgelegt. Die Stromkosten würden sowohl für Konsumenten als auch für die Industrie sinken. 

Das Modell der Siempelkamp-Geschäftsführer stellt das Merit-Order-System grundsätzlich nicht in Frage. Es ist eine Möglichkeit, um die enormen Gewinne der Betreiber von Windkraftanlagen auszugleichen. Der Strompreis würde sinken, jedoch nicht so stark, dass die Anreize zum Sparen und zum Umbau in erneuerbare Energien wegfielen.

Generell orientiert sich das Modell an der Vorgehensweise in Spanien und Portugal. Die beiden Länder haben seit Mitte Juni den Preis für Elektrizität, die mit Gas erzeugt wird, gedeckelt. Das Prinzip ist simpel: Indem der Einspeisebetrag der gasbetriebenen Kraftwerke gesenkt wird, sinkt der ganze Strompreis. Der Gewinn, der den Gaskraftwerksbetreibern dadurch entgeht, wird auf den Endverbraucher umgelegt. Doch da Gas nur einen Teil der Stromproduktion ausmacht, kommt dies im Endeffekt immer noch deutlich billiger als ohne Deckelung.

Bei dem "Iberischen Modell" handelt es sich um eine Ausnahmeregelung, die der EU-Kommission mühsam abgerungen wurde. Brüssel stimmte nur zu, weil Spanien und Portugal bei der Energieversorgung relativ abgeschottet vom Rest Europas sind.

Prof. Dr. Lion Hirth, Ökonom, Regierungsberater und Experte für erneuerbare Energien und Strommarktdesign, kann der Idee der Siempelkamp-Geschäftsführer nur wenig abgewinnen. Der Gedanke entspräche einer staatlich gelenkten Umverteilung. In einem WiWo-Streitgespräch mit Geier und Howe vertritt er den Standpunkt, dass das spanische Modell für Deutschland eine Katastrophe sei. Deutschland ist fest in den europäischen Strommarkt integriert und müsste Unmengen des subventionierten Stroms in seine Nachbarländer exportieren.

Laut Prof. Hirth ist der hohe Strompreis nötig, damit Privathaushalte und Unternehmen Energie sparen. Das Problem sei die knappe Energie. Und Sparen hieße, nicht mehr nur nach Effizienzpotentialen zu suchen, sondern die Produktion einzustellen. "Wir werden nicht durch den Winter und durch das nächste Jahr kommen, wenn nicht Betriebe in ziemlich großem Ausmaß ihre Produktion stilllegen." 

Jörn Richstein vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, kommentiert hingegen den Vorschlag der Siempelkamp-Geschäftsführer: „Das Modell verdient es, mit den anderen, die schon auf dem Tisch liegen, einer näheren Betrachtung unterzogen zu werden.“

Experten wie Alber Moser, Professor für Energiewirtschaft an der RMTH Aachen, und die Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnen deutlich vor übereilten Regulierungen des europäischen Strommarktes. Das Knappheitsproblem würde dadurch nicht gelöst. Veronika Grimm hält vielmehr die Entscheidung des Wirtschaftsministers, nicht alle Atomkraftwerke am Netz zu halten, für „absolut unverständlich“. Angesichts der Krise müssten – auch über Jahre hinaus – alle Kapazitäten mobilisiert werden.