Steigender Gasspeicherstand, steigende Preise

Energiepreise im Juli 2022 im Durchschnitt 105,0 % höher als im Vorjahresmonat

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Im Vergleich zum Vorjahr sank der Gasverbrauch der deutschen Industrie um 21,3 Prozent. Das ist eine erneute Verbesserung im Vergleich zum Vormonat. Im Juni wurden bereits 13,6 % weniger Gas verbraucht.

Bleibt der Gasfluss über Nord Stream 1 auf 20 % Maximalleistung reduziert, ist diese Verbrauchsreduktion von 20 % auch notwendig, um eine Gasmangellage im nächsten Winter zu verhindern. Die Bundesnetzagentur hatte bereits Anfang August hierzu drei Gaszenarien entworfen.

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, zeigt sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zuversichtlich: "Der Rückgang des Gasverbrauchs in der Industrie zeigt, dass wir es schaffen können, eine Gasnotlage abzuwenden." Laut Angaben der Bundesnetzagentur sind die Gasspeicher aktuell zu rund 81 % gefüllt. Am 01.08.2022 lag der Füllstand noch bei 69,43 %.

Fast die Hälfte des Mittelstands in Existenz bedroht
Im Mittelstand sind derzeit jedoch weniger eine mögliche Gasmangellage, sondern die hohen Energiekosten die größte Sorge.

Laut einer Umfrage des Bundesverbandes "Der Mittelstand. BVMW" unter rund 850 Unternehmen sehen sich mit 42,36 % fast die Hälfte der befragten Mittelständler durch die Energiekosten in ihrer Existenz bedroht. Energiesparen sei nur eine geringe Möglichkeit, die Situation zu verbessern.

Angesichts dieser bedrohlichen Lage treten Herausforderungen wie Fachkräftemangel, gestörte Lieferketten oder hohe Besteuerung weit in den Hintergrund. 

Eine deutliche Mehrheit der Unternehmen von 88,64 % plädiert daher für staatliche Maßnahmen zur Energiepreissenkung wie Steuersenkungen bzw. Steuerbefreiungen (67,35 %), einem gemeinsamen Einkauf durch die Mitgliedsstaaten der EU (44,31 %) oder Energiekostenzuschüssen (41,43 %).

Markus Jerger, Vorsitzender des Bundesverbandes Der Mittelstand. BVMW, fordert die Bundesregierung daher auf, „in einem ersten Entlastungsschritt alle Energiesteuern auf das von der EU vorgegebene Mindestniveau zu senken und den weiteren Anstieg der CO2-Bepreisung auszusetzen.“ Betriebe und Bürger dürften nicht länger unter den Folgen der verfehlten Energiepolitik leiden.

Konjunktur fallend
Die Bundesbank rechnet derweil mit einer schrumpfenden Wirtschaft, obwohl die Industrie und der Außenhandel den belastenden Faktoren trotzen. Im Monatsbericht August 2022 kommt sie zur Einschätzung: „Die Wahrscheinlichkeit, dass das BIP im kommenden Winterhalbjahr zurückgeht, hat sich aufgrund der ungünstigen Entwicklungen am Gasmarkt gleichwohl deutlich erhöht.“

Eine weitere Verschlechterung der ohnehin schwachen Konjunktursituation prognostizieren ebenfalls die Finanzmarktexperten des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). „Die nach wie vor hohe Zunahme der Konsumentenpreise und die erwarteten zusätzlichen Kosten für Heizung und Strom belasten derzeit vor allem die Aussichten für die konsumnahen Wirtschaftsbereiche.“ erläutert Dr. Michael Schröder, Wissenschaftler im ZEW.

Laut Statistischem Bundesamt lagen die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im Juli 2022 um 37,2 % höher als im Vorjahr. Es wurde der höchste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949 verzeichnet. 

Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen lagen um 29,6 % höher als im Vormonat. Die Preise für Metalle sanken zwar um 2,5 % gegenüber dem Juni 2022, lagen im Endeffekt aber 24,1 % höher als im Vorjahr.

Die Energiepreise waren im Juli 2022 im Durchschnitt 105,0 % höher als im Vorjahresmonat.

Positive Nachrichten gab es hingegen von der deutschen Staatskasse. Das Staatsdefizit im ersten Halbjahr 2022 sank auf 0,7 %. Ein Jahr zuvor hatte es – vor allem wegen der milliardenschweren Corona-Hilfen – noch bei einem Minus von 4,3 % gelegen. Auch die gestiegenen Steuereinnahmen trugen zu der Erholung bei. Diese waren im 1. Halbjahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 11,6 % höher. Einen großen Anteil daran hatten die Unternehmenssteuern.