Verbot russischer Metalle?

London Metal Exchange bereitet mögliche Schritte vor

Rohstoffmarkt
Betriebswirtschaft und Management
Metallurgie
Zusatzinhalte
Die Londoner Metallbörse (LME) diskutiert ein Verbot russischer Metalle. Der Schritt würde nicht nur Aluminium, sondern auch Nickel, Kupfer, Zink, Palladium betreffen. In der Folge droht eine Verknappung des Angebots mit entsprechenden Verwerfungen auf den globalen Rohstoffmärkten.

Wie das Nachrichtenunternehmen Bloomberg berichtet, hat die Londoner Metallbörse (LME) ein Diskussionspapier auf den Weg gebracht, das den ersten Schritt zu einem möglichen Verbot russischer Metalllieferungen darstellt.

Jeder Schritt der LME, russische Lieferungen auszusetzen, kann erhebliche Auswirkungen auf die globalen Metallmärkte haben. Eine Verschärfung der Engpässe bei den bereits knappen Vorräten dürfte den Aufwärtsdruck auf die Preise verstärken. Die Ungewissheit über ein Verbot russischer Metalle durch die LME hat bereits zur Folge, dass viele Käufer sich bewusst von Verträgen fernhalten, die russisches Metall beinhalten könnten. Russland ist der wichtigste Primäraluminiumproduzent der Welt, wobei die Produktion des russischen Unternehmens Rusal etwa 6 % der Weltproduktion ausmacht. Zudem entfallen etwa 9 % der weltweiten Nickelproduktion und 4 % der Kupferproduktion auf Russland.

Laut Bloomberg bewerten Insider den Schritt der LME als Ausdruck eines Gesinnungswandels in der Metallindustrie. Die London Metal Exchange, die mit Abstand größte Metallbörse der Welt, hatte seit Beginn des Ukrainekriegs den Handel mit russischem Metall in keiner Weise eingeschränkt. In den letzten Sitzungen der LME habe sich jedoch eine Tendenz zugunsten eines Lieferstopps für russisches Metall gezeigt. Große Metallverbraucher in Europa hatten in den letzten Monaten erklärt, dass sie beabsichtigen, russisches Metall bei der Aushandlung von Jahreslieferverträgen für das nächste Jahr zu meiden.

Ein Verbot russischen Metalls würde zudem dazu führen, dass Metall aus Russland nicht mehr an eines der weltweiten LME-Netzwerklager geliefert werden könnte, in denen das Metall für die Lieferung gegen Futures-Kontrakte aufbewahrt wird. Dahinter steckt die Sorge der Händler, dass ihre Lagerhäuser zu einer Deponie für unerwünschtes Material werden. Die russischen Produzenten könnten ihr Aluminium, Kupfer und Nickel, das sich nach dem Auslaufen ihrer Verträge für 2022 nicht mehr verkaufen lässt, an die bei der LME registrierten Lagerhäuser liefern. Sollte sich das russische Metall in den LME-Lagern stapeln, würde eine Preisentwicklung einsetzen, die sich letztlich an den Preisen für abgezinstes russisches Metall orientiert. Der Preis würde dann das Überangebot an billigem, unerwünschtem russischem Metall widerspiegeln, und nicht den Preis, der bei Geschäften verlangt wird, die direkt zwischen Produzenten und Verbrauchern ausgehandelt werden. Diese Diskrepanz würde die Rolle der LME als Marktplatz und als globale Benchmark untergraben.

Mit einem Verbot russischer Metalle setzt sich die LME möglichen rechtlichen Anfechtungen seitens russischer Produzenten aus. Die Börse ist bereits Ziel von Klagen von Hedgefonds und Handelsfirmen wegen ihrer Entscheidung, Nickelgeschäfte in Milliardenhöhe zu stornieren, als die Preise in die Höhe schnellten.

Deutschland ist stark abhängig von russischen Metallen. Im Jahr 2020 betrug der Anteil importierten Nickels aus Russland 44 % und bei Rohaluminium 22 % an den Gesamtimporten.

www.bloomberg.com/europe
www.ft.com
www.spglobal.com/commodityinsights
https://de.statista.com