Zulieferer: Im Aufschwung verheddert

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Eine Branche zwischen den Stühlen: Während deutsche Industrie-Exporte wachsen, kämpfen Zulieferer mit Materialknappheit und wankelmütigen Auftraggebern, die kurzfristig Aufträge stornieren oder verschieben.

Die deutsche Export-Industrie ist optimistisch: Nach Angaben des ifo-Instituts stiegen die Exporterwartungen von 17 Punkten im August auf 21 Punkte im September. „Die deutschen Industrie-Exporte zeigen sich überraschend robust gegenüber der Beschaffungskrise bei Rohstoffen und Vorprodukten“, sagt Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts. Am größten sei der Zuwachs sogar in der Automobilindustrie ausgefallen.

Im Bereich Metall und Elektro (M+E) geriet die Konjunktur zumindest im August ins Stocken, meldet der Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Aktuelle Zahlen für September liegen noch nicht vor. Die Nachfrage steige zwar, heißt es in einer Mitteilung, aber die Produktion ist im zweiten Quartal 2021 aufgrund fehlender Teile und Materialknappheit laut Statistischem Bundesamt um 1,5 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal zurückgegangen.

Materialknappheit behindert Produktion
„Rund 75 Prozent der M+E-Unternehmen gaben im Juli an, durch Materialknappheit in der Produktion behindert zu werden“, erläuterte Gesamtmetall-Chefvolkswirt Dr. Michael Stahl. Es fehle an Halbleitern ebenso wie an Stahl und Kunststoffen. Der Rückgang in der Produktion im zweiten Quartal treffe vor allem den Fahrzeugbau mit -9,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Auch im Maschinenbau (-1,3 Prozent) sei die Produktion unter dem Niveau des ersten Quartals geblieben, während die Elektroindustrie um 2,7 Prozent zulegen konnte.

Auch in diesen Branchen zeigte sich im zweiten Quartal eine bessere Auftragslage, die um 5,2 Prozent höher als im ersten Quartal lag. – und damit sogar über dem Vor-Rezessionsniveau von 2018. Auch die Inlandsnachfrage ziehe um 7,8 Prozent an, meldet der Verband Gesamtmetall.

„Der Markt ist in Aufruhr“
Auf dem Onlineportal Marketsteel machen Mitgliedsunternehmen des Industrieverbands für Blechumformung (IBU), des Industrieverbandes Massivumformung (IMU) und des Deutschen Schraubenverbandes (DSV) auf weitere Stolpersteine für die Zulieferer aufmerksam: Vormaterialienlieferanten warten auf die Bestellungen für 2022, würden aber mitunter noch keine Preise nennen, während einige Kunden aufgrund des derzeitigen Chipmangels kurzfristig Aufträge verschieben oder stornieren würden. „Der Markt ist in Aufruhr. Die aktuelle Situation hat für viele unserer Mitgliedsunternehmen hohes Dramapotenzial“, sagt der Geschäftsführer des Industrieverbands für Blechumformung, Bernhard Jacobs. „Marktmächtige OEMs spielen ihre Position aus. Sie verkennen dabei, dass es um die Existenzen von mittelständischen Zulieferunternehmen geht – und damit auch um ihre eigene Lieferkette.“