Schweizer Gussindustrie anhaltend dynamisch

Investitionen in neue Technologien und in die Automation zahlen sich aus

Die Schweizer Gussindustrie blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2017: Es wurde eine Trendwende mit einem deutlichem Plus erreicht. Für 2018 erwartet der Gießerei-Verband der Schweiz (GVS) eine anhaltende Dynamik.

Foto: GVS

Die Schweizer Gussindustrie erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 595 Millionen Schweizer Franken. Das entspricht einer Steigerung von 2,6 % gegenüber dem Vorjahresergebnis. Bei den verarbeiteten Tonnagen konnten die 47 im Gießerei-Verband der Schweiz (GVS) zusammengeschlossenen Unternehmen gesamthaft eine Erhöhung von rund 3 % auf 53.100 Tonnen erzielen. Für das laufende Jahr wird mit einem weiteren Wachstum gerechnet.

Die Jahresergebnisse des Branchenverbandes spiegeln die Dynamik der Schweizer Gussindustrie in einem positiven Wirtschaftsumfeld wider. Als vorteilhaft erwiesen sich insgesamt die – trotz der vorangegangenen Krisenjahre – kontinuierlich getätigten Investitionen in die Entwicklung neuer Technologien und in die Automation an den Schweizer Standorten sowie parallel dazu die Verlagerung von Groß-Serienfertigungen an Produktionsstandorte im Ausland.

Auch der schwächere Schweizerfranken verlieh Rückenwind und stärkte die Wettbewerbsfähigkeit. Ausschlaggebend war jedoch der hohe Qualitätsstandard, die Innovationskraft und zuverlässige Liefertermin-Treue der Schweizer Gussindustrie, die auch Kunden aus dem KMU-Bereich ebenso wie Großkonzerne wieder verstärkt bei der Vergabe von Neuaufträgen überzeugten. Angesichts der europaweit herrschenden Lieferengpässe konnten die Schweizer Gießer mit den hierzulande flexibleren Arbeitszeitregelungen und größeren Spielräumen für Produktionen im Mehrschicht-Betrieb sowie mit einem insgesamt stabilen politischen Umfeld international vermehrt punkten.

Der Haupttreiber für diese erfreuliche Entwicklung war die gute Konjunktur in den bestehenden Absatzmärkten Europas, Chinas und zunehmend auch Nordamerikas. In allen Sparten war 2017 ein enormer Aufwärtstrend spürbar. Auch das Seriengeschäft hat im vergangenen Jahr deutlich zugelegt. Selbst aus der Maschinenbau- und Textilindustrie, deren Aufträge sich noch im Vorjahr größtenteils auf stagnierend-niedrigem Niveau bewegten, konnten 2017 wieder hohe Bestelleingänge verzeichnet werden. Stark schwankend bis rückläufig verhielt sich lediglich die Nachfrage aus der Hochspannungstechnik.

Für die größten Zuwachsraten im markant hohen zweistelligen Bereich sorgten komplexe Gussteile, insbesondere für den Einsatz im Transportwesen, in erster Linie im Automobilbereich für hochklassige PKWs sowie für Nutzfahrzeuge wie LKWs. Bei den Eisen- und Stahlgießereien erhöhten sich die abgelieferten Tonnagen 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 3 % auf 36.500 Tonnen. Die Schweizer Leichtmetallgießer verzeichneten einen Anstieg der verarbeiteten Tonnagen um 3,7 % auf 13.400 Tonnen. Lediglich bei den Kupferlegierungen musste eine Reduktion um 2 % auf 3.200 Tonnen gegenüber dem Vorjahr hingenommen werden. Über alle Werkstoffgruppen hinweg gesehen schloss die Schweizer Gussindustrie 2017 gesamthaft mit einer Erhöhung von rund 3 % auf 53.100 Tonnen ab.

„Der Gesamtumsatz erhöhte sich im vergangenen Jahr um 2, 6 % auf 595 Millionen Schweizerfranken gegenüber 580 Millionen Schweizerfranken in 2016“, gab Marcel Menet bekannt, Geschäftsführer des Gießerei-Verbands der Schweiz (GVS), in dem 47 Unternehmen zusammengeschlossen sind.

Kontinuierliches Wachstum erwartet gemäß einer Umfrage unter den Verbandsvorständen fallen die Prognosen für 2018 mehrheitlich positiv aus. Es wird mit einem kontinuierlichen Wachstum gerechnet. „Die Auftragsbücher bei den meisten Gießereien haben sich hierzulande gut gefüllt. Ob die Trendwende von längerer Dauer sein wird, werden die nächsten Monate zeigen. Wichtige Entscheidungsträger auf der weltpolitischen Bühne sind leider zu unberechenbar, um vor unschönen Überraschungen gefeit zu sein, wie die von den USA nun tatsächlich verhängten Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium zeigen,“ fasst Markus Schmidhauser, Verbandspräsident und Geschäftsführer der Wolfensberger AG, die Branchensituation zusammen.

Die Unsicherheit vor „Überraschungen“ im globalisierten Wettbewerb ist eines der größten Probleme, das sich der gesamten Zulieferindustrie stellt. Dies verlangt von den Unternehmen und somit von den Mitarbeitern eine enorme Flexibilität, was angesichts des herrschenden Fachkräftemangels eine gewaltige Herausforderung darstellt.

Zudem ist der Preisdruck anhaltend enorm hoch. Die Schweizer Gussindustrie investiert daher bereits wieder in neue Anlagen für den Modellbau und für die Anfertigung von komplexen Spezial-Gussteilen und treibt gleichzeitig mit Hochdruck Automatisierungsprozesse voran, um noch kosteneffizienter produzieren zu können. Dazu tragen ebenfalls Expansionen durch Zukäufe ergänzender Gießereien und Kooperationen im In- und Ausland bei. Vor allem in China wird 2018 kräftig investiert mit dem Ziel, eigene Technologie-Center sowie Produktionsstätten vor Ort aufzubauen. „Noch näher am Kunden“ lautet dazu die Devise.

Mit diesen diversifizierten Maßnahmen befindet sich die Schweizer Gussindustrie auf bestem Weg zum strategisch überlebenswichtigen Aufbau eines europaweiten bzw. globalen Wertschöpfungsnetzwerks, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können.

www.giesserei-verband.ch