Berufsnachwuchs im ostdeutschen Maschinenbau: weniger Bewerber, erhebliche Wissenslücken

Unbesetzte Ausbildungsplätze in 44 von 100 Unternehmen

Rückläufige Bewerberzahlen und Jugendliche mit erheblichen Wissenslücken in den MINT-Fächern sowie unzureichenden sozialen Kompetenzen erschweren den ostdeutschen Maschinenbauern die Suche nach geeigneten Auszubildenden für die gewerblichen Berufe.

Die Schwierigkeiten, Auszubildungsstellen zu besetzen, haben in den verganenen vier Jahren zugenommen. / Bild: VDMA Ost

Viele ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbauer blicken mit Sorge auf das neue Ausbildungsjahr: 44 Prozent der ausbildenden Unternehmen konnten bisher nicht alle geplanten gewerblichen Ausbildungsplätze besetzen. Das ergab eine Umfrage unter den 350 Mitgliedern des VDMA-Landesverbandes Ost in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Ein Kernthema der ostdeutschen Unternehmen ist der zunehmende Fachkräfteengpass. Den Betrieben fällt es aber nicht nur schwer, geeignete Facharbeiter und Ingenieure zu finden – fast zwei Drittel der Firmen hatten vor dem Ausbildungsbeginn 2019 auch Probleme, talentierte und motivierte Auszubildende für die gewerblichen Berufszweige zu gewinnen.

„Die betriebliche Ausbildung ist eine wichtige Säule, um den steigenden Fachkräftebedarf decken und den Standort sichern zu können. Allerdings gibt es immer mehr Maschinenbauer, die ausbilden wollen, aber ihren Bedarf nicht decken können. Ihr Anteil stieg von 39 Prozent im Vorjahr auf 44 Prozent“, sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost.

Sinkende Bewerberzahlen und große Wissenslücken

Fast allen betroffenen Ausbildungsbetrieben macht die rückläufige Zahl an Bewerbungen zu schaffen (91,7 Prozent). Dies führen sie vor allem auf die verstärkte Studienorientierung, die demografische Entwicklung und die geografische Lage des Unternehmens zurück.

70 Prozent der Firmen bemängeln außerdem, dass die Jugendlichen oftmals nicht ausreichend auf die Anforderungen in der betrieblichen Praxis vorbereitet sind. Erhebliche Wissenslücken in den Naturwissenschaften und mangelhaftes Technikverständnis, aber auch fehlende soziale Kompetenzen gehören zu den genannten Defiziten.

Wege zu einer besseren Ausbildungsfähigkeit

Der ostdeutsche Maschinenbau bildet überdurchschnittlich viele junge Menschen aus. Der Anteil der Auszubildenden an der Beschäftigtenzahl beträgt knapp 6 Prozent, die Durchschnittsquote des Verarbeitenden Gewerbes liegt bei 5 Prozent. Umso besorgter beobachtet der Verband die Entwicklung. „Den demografischen Wandel können wir nicht aufhalten. Andere Faktoren, die sich maßgeblich auf die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen und die Bewerberzahlen auswirken, lassen sich hingegen sehr wohl beeinflussen“, betont Pätz.

Demnach müssen beispielsweise zügig die technische Allgemeinbildung an Grund- und weiterführenden Schulen ausgebaut, Fächer wie Mathematik und Physik praxisbezogen gelehrt und die Lehrinhalte generell an sich ändernde Berufsanforderungen angepasst werden. Das setze auch voraus, dass sich die Lehrer weiterbilden.

Maßnahmen gegen Bewerberschwund

Viele Maschinen- und Anlagenbauer sind im ländlichen Raum verwurzelt. „Damit sich junge Menschen künftig häufiger für eine Ausbildung abseits der großen Städte entscheiden, muss dringend in die Infrastruktur investiert werden“, mahnt der Landesverbandsgeschäftsführer. „Ein Unternehmen kann noch so spannende Aufgaben und Aufstiegschancen oder Mitarbeitervorteile anbieten: Wenn es mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht erreichbar ist, die Berufsschule weit entfernt liegt oder es im Ort keine attraktiven Freizeitmöglichkeiten gibt, hat ein Betrieb im Wettbewerb um die begehrten Nachwuchskräfte das Nachsehen“, verdeutlicht Pätz.

Die Unternehmen und der VDMA engagieren sich intensiv, um die Berufsausbildung in der gesellschaftlichen Wahrnehmung aufzuwerten und mehr junge Menschen für gewerbliche Ausbildungsberufe zu begeistern. Fast alle Betriebe ermöglichen es Schülern, in einem Praktikum Praxisluft zu schnuppern. Viele Firmen präsentieren sich zudem auf Ausbildungsmessen, öffnen ihre Werktore für Interessierte und arbeiten mit Bildungseinrichtungen zusammen. Einen festen Platz im Angebot der Unternehmen haben mittlerweile auch die sozialen Medien. Etwa jeder zweite Maschinenbauer nutzt diese Kommunikationskanäle, um Jugendliche zu erreichen.

Der Verband veranstaltet unter anderem gemeinsam mit seinen Mitgliedern Fortbildungen für Lehrer, Berufs- und Studienberater und aktualisiert als strategischer Partner die Lehrformen und Ausbildungsordnungen. Ein wichtiger Baustein rund um die berufliche Bildung ist außerdem die Nachwuchsstiftung Maschinenbau.