Beim Thema Elektroauto sind die Deutschen gespalten

Bitkom legt Mobilitätsstudie zur IAA vor

Jeweils die Hälfte der Bevölkerung wünscht sich Elektroautos oder autonome Fahrzeuge, die andere Hälfte lehnt sie ab. Einer Mehrheit legt beim Autokauf größeren Wert auf digitale Dienste als auf die Marke. Dies ergab eine Studie des Digitalverbands Bitkom.

Bild: Bitkom Research

Die Automobilindustrie steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Den Deutschen sind beim Autokauf integrierte Navigationsdienste, Fahrassistenzsysteme oder digitale Dienste auf Grundlage von Fahrzeugdaten wie Reparaturhinweise inzwischen wichtiger als Motorleistung oder die Marke. Unter anderem zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom, die im Vorfeld der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) vorgestellt wurde. Die IAA findet vom 12. bis 22. September 2019 in Frankfurt statt.

Für die Mehrheit der jüngeren Befragten ist ein eigenes Auto kein Statussymbol mehr, stattdessen legen sie großen Wert auf den Klimaschutz. Die Deutschen sehen deutsche Hersteller aktuell im Hintertreffen: 46 Prozent der Befragten sehen im Elektroauto eine Herausforderung für die Automobilindustrie, 31 Prozent sind davon überzeugt, dass das autonome Fahren die Branche aufwühlen wird. Die Hälfte der Befragten (52 Prozent) ist der Meinung, dass die deutsche Automobilbranche den Wandel zur Elektromobilität und anderen erneuerbaren Antriebsformen verpassen wird.

„Ein Auto ist noch immer eine hervorragende Ingenieursleistung, auch wenn Software bereits eine zentrale Stellung einnimmt. Künftig wird diese Software für die Passagiere noch sichtbarer. Und sie wollen im Auto dieselben Dienste nutzen wie zu Hause“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. „Der Trend zum Elektroauto führt zudem dazu, dass die Markteintrittsschranken deutlich sinken. Ein Elektroauto ist viel einfacher zu konstruieren als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, Antriebsstrang und Abgasanlage. Dadurch entwickeln sich neue Player aus dem Ausland und auch aus der Digitalbranche zu ernstzunehmenden Wettbewerbern für die etablierten Anbieter.“

Beim Autokauf ist den Deutschen das wichtigste Kriterium, dass Navigationsdienste integriert sind (93 Prozent). Das ist offenbar noch ausschlaggebender als der Preis (91 Prozent), Komfort (88 Prozent) und die Art des Antriebs (84 Prozent).

Vier von zehn der Befragten gaben an, dass das Auto im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln für sie weniger Bedeutung haben wird. Für sechs von zehn Studienteilnehmern ist der Besitz eines Autos kein Statussymbol. Dabei gibt es signifikante Unterschiede zwischen den Generationen. Nur 58 Prozent der über 65-Jährigen stimmten dieser Aussage zu, während es bei den 16 bis 29-Jährigen 70 Prozent waren. 72 Prozent gaben an, dass Klimaschutz bei der Wahl des Verkehrsmittels eine große Rolle spielt.
Bislang können sich 47 Prozent vorstellen, ein E-Auto zu kaufen, für 46 Prozent kommt das nicht in Frage. Jeder Zweite kann sich vorstellen, ein autonomes Fahrzeug zu nutzen. Sechs von zehn der Befragten gaben allerdings an, dass sie sich Sorgen um technische Probleme beim autonomen Fahren machen. 73 Prozent der Studienteilnehmer sehen Vorteile im autonomen Fahren, zum Beispiel in einer geringeren Umweltbelastung (48 Prozent) oder einen besseren Verkehrsfluss (45 Prozent).